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MAGS.NRW: Menschen ohne Wohnung sind häufig unsichtbar und schutzlos

Sozialminister legt Wohnungslosenstatistik 2019 vor

Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Nordrhein-Westfalen ist erneut leicht gestiegen, allerdings ist dieser Anstieg deutlich niedriger ausgefallen als in den Vorjahren. Das zeigt die Wohnungslosenstatistik 2019, die Sozialminister Karl-Josef Laumann jetzt vorgestellt hat. Danach waren am Stichtag 30. Juni 2019 insgesamt 46.610 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen. Das heißt, sie waren überwiegend in Obdachlosenunterkünften, anderen Einrichtungen oder Bekannten untergekommen.

„Die Zahlen sind eine Bestätigung dafür, wie wichtig und richtig es war, dass wir im letzten Jahr unsere Landesinitiative gegen Wohnungslosigkeit gestartet und die Mittel zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit innerhalb von nur drei Jahren versiebenfacht haben“, sagte Minister Laumann. „Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen. Denn Menschen ohne Wohnung sind häufig unsichtbar und schutzlos. Ohne eigene Wohnung keine Privatsphäre, keine eigenständige Tagesstruktur und keine Lebensperspektive. Deshalb brauchen Menschen ohne Wohnung in besonderem Maße unsere Hilfe.“

Die Zahl der erfassten wohnungslosen Personen ist gegenüber dem Vorjahr um 2.176 oder etwa 4,9 Prozent gestiegen (Vergleichszahlen von 2017 auf 2018: 44 434, = + 37,6 Prozent, von 2016 auf 2017: 32.286, = + 28,9 Prozent).

Von den insgesamt zum Stichtag 30.6.2019 wohnungslos gemeldeten Personen in Nordrhein-Westfalen waren 32.623 (2018: 30.736) von den kommunalen Behörden untergebracht und 13.987 (2018: 13.698) wurden von den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe betreut. Der Zuwachs ist also nahezu ausschließlich auf die stark gestiegene Zahl der kommunal und ordnungsrechtlich untergebrachten Personen zurückzuführen.

In den Vorjahren war der starke Anstieg bei den kommunal untergebrachten Wohnungslosen nach Angaben der Kommunen zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass anerkannte Asylbewerberinnen und  Asylbewerber beziehungsweise Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus unterzubringen waren.

Wenn sie angesichts eines angespannten Wohnungsmarktes zunächst in den Asylunterkünften verbleiben, führt dies statistisch zu einer Erhöhung der Zahl der wohnungslosen Menschen, an ihrer tatsächlichen Wohnsituation ändert sich jedoch nichts. Verschiedene Kommunen erklärten auch den Anstieg im Jahr 2019 mit der Unterbringung dieser Personengruppe. In vielen Städten und Gemeinden stieg daneben auch die Zahl der deutschen Wohnungslosen.

Die Landesregierung hat die Mittel zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit von einer Million Euro im Jahr 2017 auf 7,1 Millionen Euro im Jahr 2020 angehoben.

Mit der im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Landesinitiative gegen Wohnungslosigkeit „Endlich ein ZUHAUSE!“ unterstützt das Sozialministerium insbesondere die 20 Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die statistisch am meisten von Wohnungslosigkeit betroffen sind. So sorgen in den sogenannten „Kümmerer-Projekten“ Sozialarbeiter und Immobilienfachleute dafür, dass wohnungslose Menschen wieder eine feste Bleibe bekommen. Und durch frühzeitige Beratung helfen sie, Wohnungsverluste zu vermeiden.

Erste positive Resonanzen sind bereits festzustellen. Insbesondere ist es dadurch gelungen, vor Ort stärker für das Thema Wohnungslosigkeit zu sensibilisieren. Weitere Schwerpunkte der Landesinitiative sind eine Vereinbarung mit der Wohnungswirtschaft, die zusätzliche Wohnungen für wohnungslose Menschen zur Verfügung stellen will, sowie Kältehilfen für obdachlose Menschen, Verbesserung der psychischen Versorgungssituation und eine aufsuchende Drogenhilfe insbesondere für Menschen, die auf der Straße leben.
 

Weitere Informationen zur Wohnungslosenstatistik 2019:
 

  • Zahlen zu den Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen finden sich im Anhang der Wohnungslosenstatistik.
     
  • Mehr als zwei Drittel der erfassten wohnungslosen Personen waren männlich (66,7 Prozent). Damit ist der Anteil der männlichen Wohnungslosen gegenüber dem Vorjahr erneut etwas gesunken (2018: 67,4 Prozent).
     
  • 29,1 Prozent der Wohnungslosen waren unter 18 Jahre alt. Die unter 18-jährigen Wohnungslosen sind fast ausnahmslos als Angehörige eines Mehrpersonenhaushalts – in der Regel zusammen mit den Eltern – untergebracht.
     
  • Knapp die Hälfte (49,4 Prozent) der erfassten erwachsenen wohnungslosen Personen hatte eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Damit lag der Anteil gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig höher (2018: 48,4 Prozent), aber deutlich höher als in früheren Jahren (2017: 37,0 Prozent, 2016: 28,3 Prozent).
     
  • Die außergewöhnlich starke Zunahme von kommunal untergebrachten nichtdeutschen Wohnungslosen in den beiden Vorjahren (fast eine Verfünffachung von 2016 bis 2018) stand nach Auskunft der Kommunen in einem Zusammenhang mit der Anerkennung von Asyl bzw. Flüchtlingsstatus.
     
  • Ein Teil der Zunahme erklärt sich auch durch die Neumeldung von anerkannten Flüchtlingen durch einige Kommunen, die bisher noch nicht miterfasst waren. Dies betrifft allerdings eine begrenzte Anzahl von Städten und Gemeinden.
     
  • Die Zahl der erfassten kommunalrechtlich untergebrachten wohnungslosen deutschen Personen über 18 Jahre ist im Vergleich zum Vorjahr von 7.418 auf 7.607 Personen (+ 2,5 Prozent) gestiegen. Die Zahl der von den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe betreuten deutschen wohnungslosen Personen ist gegenüber dem Vorjahr von 10.045 auf 10.238 Personen (+ 1.9 Prozent) gestiegen. Bei den erfassten kommunalrechtlich untergebrachten wohnungslosen nichtdeutschen Personen über 18 Jahre lag die Steigerung gegenüber 2018 bei 5 Prozent (Anstieg um 680 Personen auf 14.193 Personen). Bei den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe stieg die Zahl der betreuten nichtdeutschen Wohnungslosen von 2.897 Personen im Jahr 2018 auf 3.217 Personen an (+ 11 Prozent).
     
  • Die Kommunen sind durch das Ordnungsbehördengesetz verpflichtet, wohnungslose Menschen unterzubringen. Rund 91 Prozent der von den Ordnungsbehörden untergebrachten Personen leben in Obdachlosenunterkünften oder sonstigen Unterkünften.
     
  • Bezüglich der Verbreitung der Wohnungslosigkeit gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen kreisfreien Städten und Kreisen. Wohnungslosigkeit ist in den (Groß-)Städten stärker verbreitet. Zum einen ist in vielen (Groß-) Städten der Wohnungsmarkt sehr angespannt. Zum anderen dürfte dies aber auch damit zusammenhängen, dass in (Groß-)Städten ein größeres und vielseitigeres Angebot von Hilfseinrichtungen und Unterkunftsmöglichkeiten vorgehalten wird und dieses Angebot auch Personen aus dem Umkreis, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, anzieht. Zum Stichtag 30.6.2019 wurden in den kreisfreien Städten im Durchschnitt 32 Wohnungslose je 10.000 Einwohner gezählt und in den Kreisen 22 wohnungslose Personen je 10.000 Einwohner. In den kreisfreien Städten und Kreisen reicht die Spanne von 5 wohnungslosen Personen je 10.000 Einwohner in Mülheim an der Ruhr bis hin zu 71 wohnungslosen Personen je 10.000 Einwohner in der Landeshauptstadt Düsseldorf.
     
  • Die Wohnungslosenstatistik des Landes Nordrhein-Westfalen erfasst neben den von den Kommunen ordnungsrechtlich untergebrachten Wohnungslosen auch Personen, die von den freien Trägern betreut werden.
     
  • Es handelt sich um eine jährliche Stichtagserhebung (Stichtag: 30. Juni).
     
  • Menschen, die auf der Straße leben und sich weder wegen einer Unterbringung an die Kommunen wenden, noch die vielfältigen Hilfsangebote der freien Träger der Wohnungslosenhilfe in Anspruch nehmen, können von dieser Statistik nicht erfasst werden. Damit bildet die Wohnungslosenstatistik die Situation der Menschen in Nordrhein-Westfalen ab, die in aller Regel zwar irgendeine Art von Dach über dem Kopf haben, aber über keine reguläre Wohnung mit einem eigenen Mietvertrag verfügen. Das Ministerium prüft derzeit, wie auch Menschen, die ohne jedes Dach über dem Kopf auf der Straße leben, statistisch erfasst werden können.