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Knochenjob zwischen Birgte und Berlin – Laumann zog vor 25 Jahren in Bundestag ein

Quelle: Westfälische Nachrichten

Hilmar Riemenschneider

Münster Es war eine ziemlich aufgeregte Adventszeit. Nicht wegen des Weihnachtsfestes, sondern weil sich erst am 20. Dezember 1990 der erste gesamtdeutsche Bundestag in Bonn konstituierte. Jede Menge neue Gesichter im Plenarsaal – mittendrin die 36-jährige Neu-Abgeordnete Angela Merkel und der drei Jahre jüngere Bundestags-Neuling Karl-Josef Laumann aus der Hörstel-Riesenbecker Bauerschaft Birgte. Seitdem duzen sich beide. „Ich gehöre nicht zum engsten Merkel-Umfeld“, sagt der 58-jährige Riesenbecker heute. „Wir haben aber ein sehr vertrauensvolles und kollegiales Verhältnis.“ 25 Jahre ist diese Plenarpremiere her. Beide gehören heute der Bundesregierung an. Merkel als Bundeskanzlerin, Laumann als Beauftragter für Patienten und Pflege.

Dazwischen liegen bewegte Jahre. „Von der Werkbank in den Bundestag“ ist er damals gewechselt. Als Maschinenschlosser hat er beim Landmaschinenhersteller Niemeyer gearbeitet, schon damals mit einem Bein in der Politik. Der junge Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Steinfurt nutzt die Gunst der Stunde: „Als mein Vorgänger Freiherr von Heereman sich zurückzog, habe ich die Chance ergriffen“, erinnert er sich. „Klar ist doch, dass der Bundestag für einen jungen engagierten politischen Menschen die interessanteste Adresse ist.“

Die Werkbank begleitet ihn: Arbeits- und Sozialpolitik wird sein Schwerpunkt, erst im Fachausschuss des Bundestages: „Zu der Zeit waren Norbert Blüm als Minister und Heiner Geißler als stellvertretender Fraktionsvorsitzender die tonangebenden Politiker. Es waren sehr spannende Zeiten, als wir die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt haben.“ 1995 tritt sie in Kraft. Dass er 20 Jahre später als Pflege-Beauftragter die Pflegereform mitgestaltet, sei der besondere Reiz.

Bis 2005 bleibt Laumann im Bundestag, erlebt 1998 den Gang in die Opposition, ein Jahr später den Berlin-Umzug. Nach dem Wahlsieg 2005 in NRW ernennt Jürgen Rüttgers ihn zum Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. „Ich habe von Heiner Geißler gelernt: Wenn du ein einflussreicher Minister sein willst, musst du auch ein großes Ressort haben.“ Er führt das Werkstattjahr für Jugendliche ohne Lehrstelle ein, sorgt mit dem Heimgesetz für Standards.

Als Rot-Grün 2010 die Regierung übernimmt, führt Laumann die zerknirschte CDU-Landtagsfraktion: „Opposition auf Landesebene ist ein Knochenjob“, seufzt er – und beginnt zu grinsen: „Immerhin haben wir Rot-Grün in der Finanzpolitik zur Weißglut getrieben, wir haben vier Verfassungsklagen gegen sie gewonnen.“ Es ist auch die Zeit, in der er als Bundesvorsitzender des Arbeitnehmerflügels CDA seinen vielleicht größten Erfolg feiert: Im November 2011 beschließt die CDU den Mindestlohn, den Merkel lange nicht wollte.

Mit dem Wechsel 2013 nach Berlin macht er auch Platz für CDU-Landeschef Armin Laschet in Düsseldorf. Laumann sieht es als Zwischenstation. 2017 strebt er wieder ein Mandat an – offen bleibt, wo. „Darüber werde ich in den kommenden Wochen mit meiner Partei reden und dann werden wir gemeinsam eine einvernehmliche Entscheidung treffen.“