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Münsterländische Volkszeitung: Bewegende Diskussion zur Sterbehilfe

Quelle: www.mv-online.de

„An der Hand eines Menschen sterben – und nicht durch sie“

Am Mittwoch diskutierten sechs Experten im voll besetzten Audimax der Mathias-Hochschule über das Thema Sterbehilfe.

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    Foto: Eva Uhlenbrock

    Bernhard Rathmer, Karl-Josef Laumann und Andree Hachmann (v.l.n.r.)

    „Wer von Ihnen ist für Sterbehilfe?“ Moderator Sebastian Koch, freier Wirtschaftsjournalist, begann die Podiumsdiskussion zur Sterbehilfe mit einem Stimmungsbild des Publikums. Viele Hände im voll besetzten Audimax der Mathias-Hochschule gingen am Mittwochabend in die Höhe. Weniger Zuhörer waren gegen Sterbehilfe. Einige enthielten sich.

    Die Junge Union (JU) hatte zu der zweistündigen Diskussion sechs Experten eingeladen. Darunter: Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung.

    Brisant und emotional aufgeladen

    „Es kann jeden von uns von heute auf morgen treffen“, begründete JU-Vorsitzender Fabian Lenz die Wahl des Themas einer Jugendorganisation. Auch die Bundespolitik habe erkannt, wie brisant und emotional aufgeladen das Thema sei. Deshalb berät der Deutsche Bundestag derzeit über verschiedene Gesetzentwürfe zum Thema Sterbehilfe – allesamt fraktionsübergreifend.

    Zum aktuellen Gesetz: Hier wird zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe unterschieden. Straffrei ist derzeit, jemandem ein tödliches Medikament zu besorgen, welches der Patient selbst einnimmt. Es ist die passive Beihilfe.

    „In einer Grauzone“

    Ein tödliches Medikament auf Verlangen zu verabreichen ist dagegen strafbar. Dies ist aktive Beihilfe. Ein neues Gesetz soll Klarheit schaffen: für Ärzte, Angehörige und professionelle Sterbehelfer. Eine Klarheit, die sich Angela Grote-Reith, Chefärztin der Palliativstation im Jakobi-Krankenhaus in ihrem Diskussionsbeitrag wünschte. „Mir ist eine Regelung wichtig“, sagte sie und fügte hinzu: „Jetzt bewegen wir uns in einer Grauzone.“

    Staatssekretär Laumann konnte die Ärztin in ihrem Wunsch nach einem klaren Rahmen verstehen. Er gab dennoch zu bedenken: „Wir tun uns schwer, das zu definieren.“ Der medizinische Fortschritt könne auch zum Fluch werden. Sein Wunsch: „Dass die Menschen an der Hand eines Menschen sterben – und nicht durch sie.“

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    Foto: Eva Uhlenbrock

    Anna Zeitler-Schlöder, Jürgen Rick, Angela Grote-Reith und Sebastian Koch (v.l.n.r.)

    Anna Zeitler-Schlöder, Leiterin des ökumenisch ambulanten Hospizes Rheine, wünschte sich, dass die derzeitige Regelung beibehalten werde. Sie widersprach der Ansicht des Juristen Andree Hachmann. Dieser meinte, wenn ein Mensch schwer leide, müsse man ihn auch gehen lassen. Für Zeitler-Schlöder ist es dagegen „eine Frage der Versorgung“. Die Palliativmedizin biete Hilfe an. Palliativärztin Grote-Reith gab jedoch zu bedenken: Nur zwei Prozent der Mediziner seien palliativ ausgebildet. Zu wenig würden sich hierfür interessieren. Außerdem: Sie habe ihre 5000 Euro teure Ausbildung selbst bezahlt.

    Pfarrer Jürgen Rick hat Menschen kennengelernt, „die keinen Ausweg mehr sahen und doch leben wollten.“ Er machte sich mit ihnen auf, ein „Lebensmittel“ zu finden. „Mein Ansatz wäre nicht, den Menschen im Suizid zu bestärken“, sagte Rick.

    „Den Wunsch, den ich habe, können sie mir nicht erfüllen“, hat Krankenhausseelsorger Bernhard Rathmer von Patienten schon öfter gehört. Verstanden habe er die Menschen, die sich einen Tod durch Medikamente wünschten. Er habe ihnen diesen Wunsch jedoch nie erfüllen wollen. Rathmer, auch Leiter der Ethikkommission der Mathias-Stiftung, sucht dann erneut das Gespräch. „Unser Auftrag im Krankenhaus ist es, das Leben zu schützen“, ist seine klare Meinung.