Suche
Suche Menü

Münsterländische Volkszeitung: Laudatio, Grußworte, Überraschungen: Emotionale Momente beim „Feier-Abend“

Quelle: Münsterländische Volkszeitung

Wolfgang Attermeyer

WETTRINGEN. Engelbert Rauen hat sicher geahnt, dass es emotional wird an diesem Abend. Die Feierstunde zum Abschied als Bürgermeister stand seit Monaten für den 19. Oktober im Kalender, und doch ist der 64-Jährige nicht auf alles vorbereitet, was passiert. Dafür hat Kämmerer Franz-Josef Reckels gesorgt, der den Abend federführend geplant und seinem „Chef“ nur Teile davon verraten hatte. Manche Überraschung verbirgt sich im Programm, und Rauen kann sich nicht jede Träne verkneifen. Doch der Anlass ist nicht die Traurigkeit über das Ende seiner beruflichen Laufbahn, sondern die Rührung über Lobesreden, Dank, Anerkennung, Geschenke und gute Wünsche. „Es war oft übertrieben, aber ich habe es gerne gehört“, sagt Rauen in seiner Abschiedsrede.

„Dankbar und zufrieden“ blicke er zurück auf 45 Jahre politische Arbeit. Seit seinem 37. Lebensjahr habe er Führungsverantwortung übernehmen dürfen – doch was er in seiner Zeit als Grundschulrektor (1988 bis 1999) und vor allem in den drei Amtszeiten als Bürgermeister erreicht habe, „ist nicht das Werk eines einzelnen“. Und dann gibt Rauen den Dank, der sich zuvor quasi über ihn ergossen hat, nahezu hundertfach zurück – von den großen politischen Gremien bis zu den örtlichen Vereinen, Gruppen und Einrichtungen. Und an seine Familie. Ehefrau Hannelore, vier Kinder und ein Enkelkind sitzen mit ihm in der ersten Reihe und freuen sich jetzt auf mehr Zeit mit ihm, dem Ehemann, Vater und Opa.

Auch sie stehen auf, als Engelbert Rauen seine Rede um 20.33 Uhr beendet, und applaudieren. Dem „langjährigen Freund“ und „Bürgermeister im sprichwörtlichen Sinne“, wie Landrat Thomas Kubendorff in seiner Laudatio sagte. Dem erfahrenen Vorsitzenden des Regionalrats, der „in der Sache vorankommen wollte und über den eigenen Ort hinausblickte“, wie Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller in ihrem Grußwort erwähnte – und hoffte, dass Rauen im Regionalrat weiter die Interessen des Münsterlandes vertritt. Dem „wertvollen Rat- und Impulsgeber“, dessen Tipps und Hilfestellungen er weiter „gerne in Anspruch nimmt“, wie Georg Moenikes (Emsdetten) als Sprecher der Bürgermeister im Kreis ankündigte. Dem Weggefährten, der „die Gemeinde vom Haus zur Villa ausgebaut hat“, wie der frühere CDU-Ratsherr Heinz Herwing feststellte. Und schließlich „einem Mann, der Verantwortung übernimmt und Vertrauen rechtfertigt“, wie Staatssekretär Karl-Josef Laumann sagte. Wettringen habe davon profitiert, dass Rauen nach christlich-demokratischen Grundsätzen gelebt und gearbeitet hat.

Am Ende seiner prägenden Amtszeit weiß Engelbert Rauen natürlich, dass ihm an diesem Abend die Lorbeeren dafür verliehen werden. Und doch ist es ihm etwas zuviel, als ihm die Haddorfer Comedy-Gruppe „Quasselstrippen“ ein T-Shirt mit seinem Konterfei und dem Zusatz „König der Rentner“ umhängt – und ihm dazu noch eine Krone aufs Haupt drückt. Rauen lässt es geschehen, doch schüttelt still den Kopf. Der Auftritt, in dem auch sein Nachfolger Berthold Bültgerds eine Rolle hat, endet dennoch harmonisch.

Einen emotionalen Moment liefern die Sängerin Susanne Teutenberg und ihr Mann Christian mit „Somewhere over the rainbow“ sowie – gemeinsam mit Sängern des Fabriktheaters – der Udo-Jürgens-Ballade „Heute beginnt der Rest deines Lebens“. Einen weiteren gibt’s bei der Diashow zur Dorfentwicklung, untermalt mit Klavierklängen. Und der Gemeinderat, zu dem auch das Moderatoren-Duo Hartwig Guhle und Willi Heimann zählt, trifft mit dem Amber-Baum als Geschenk („Er hört nicht auf zu wachsen“) genau ins Schwarze: Rauen wischt eine Träne weg.

Während der Musikzug der Feuerwehr nach fast drei Stunden mit den Hits von Eric Clapton das Programmfinale einleitet, formiert sich eine lange Schlange von Gratulanten. Sie strahlen, schütteln Rauen die Hand, klopfen ihm auf die Schulter, umarmen ihn. Ja, das war‘s: Das Hiärtken hat Tschüß gesagt.