Suche
Suche Menü

Münsterländische Volkszeitung: Karl-Josef Laumann besucht Wettringen

Quelle: Münsterländische Volkszeitung

Klare Ansagen und Plausch „up Platt“

Nicht das Geld ist die Herausforderung beim Thema Pflege, sondern die Personalfrage, machte Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, bei seinem Besuch in Wettringer Einrichtungen deutlich. Der Politiker fand auch sonst klare Worte.

Wettringen – „Machen wir aber nicht.“ Rumms. Für einen kurzen Moment ist es still im Konferenzraum im Marienheim. Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, scheute am Freitag bei seinem Besuch in Wettringen nicht das klare Wort. Als ihm Michael Niehues, Geschäftsführer des Marienheims, vom Alltag in der Einrichtung berichtet und sich im komplexen System mehr Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung für die Behindertenhilfe wünscht, bekommt er eine deutliche Rückmeldung. Auch zuvor im Elisabethstift positionierte sich der CDU-Politiker bestimmt zum Thema Pflege: Die Herausforderung sei nicht das Geld, sondern die Personalfrage. Und dafür müsse das Berufsbild aufgewertet werden.

Mit Standard zufrieden geben

Karl-Josef Laumann ist im Hiärtken offenbar gerne zu Gast und hat sich in seiner Zeit als NRW-Sozialminister (2005 bis 2010) besonders für das Marienheim und seinen Ausbau eingesetzt. Nun hat es seit einiger Zeit einen hohen Standard erreicht. Mit 92 Plätzen, 81 Vollzeitstellen sowie Konstanz in Heimleitung und Geschäftsführung ist es auch für ihn eine Einrichtung zum Vorzeigen. Er plädierte aber dafür, sich mit einem solchen hohen Standard auch mal zufrieden zu geben. Aktuell gibt es im Bund Pläne für ein Badezimmer pro Bewohner – bei Neubauten. Im Marienheim sei die Tandemlösung (zwei Bewohner teilen sich ein Bad) „alltagstauglich“, so Niehues. Laumann meinte: „Das ist vertret- und verantwortbar.“ Hier waren sich die beiden Männer einig. Und so pendelten die Gesprächsthemen zwischen freundlicher Übereinstimmung und konträrer Haltung. Im weiteren Verlauf streifte die Runde noch die Komplexe „Vermögen und Behinderte“, sozialer Wohnungsbau und Auslastungsquoten in der Kurzzeitpflege.

Wegen seiner vielen Verknüpfungen zur Caritas-Altenwohnanlage Elisabethstift am Gnoiener Platz hatte Laumann mit seinem Tross am Freitag zuerst hier Station gemacht. Leiterin Birgitt Overesch stellte das Haus in einem kompakten Informationsblock vor. Sie widersprach dabei dem Begriff Altenheim, sondern sagte, dass „die Menschen hier wohnen“. Sie haben nicht nur ein kleines Zimmer, sondern ein Apartment, und vor der Tür gibt es Klingel und Briefkasten. Und: Der Tod werde im Haus nicht ausgeklammert.

Alte Menschen häufig allein

Laumann prognostizierte, dass die Familienpflege nicht die Stütze bleibt, die sie derzeit noch ist. Schon jetzt seien alte Menschen tagsüber häufig allein. Die Tagespflege fand in diesem Zusammenhang seine Zustimmung, „gegen die Einsamkeit am Tag. Wenn man nur noch vom Bett in den Sessel kommt, wird der Tag sehr lang.“ Allerdings müsse die Tagespflege eine gewisse Größe haben, was im Elisabethstift aber der Fall ist. „Anpacken“ wolle Laumann auch das Pflegeberufegesetz. „Sechs Bundesländer knöpfen Altenpflege-Schülern noch Schulgeld ab“, monierte er. Die Aufwertung des Berufs im Gesundheitssystem werde jedoch nicht geräuschlos laufen.
Am Schluss nutzte Overesch die Anwesenheit Laumanns für ein paar Anregungen unter vier Augen. Was Laumann gut gefallen haben dürfte, war während des Rundgangs der kurze Plausch auf Platt mit einem älteren Herrn. „Hendoahn“, sagte der am Ende. Laumann lächelte.