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Münsterländische Volkszeitung: Lob und Segen für Beratungszentrum

Quelle: Münsterländische Volkszeitung

Eucharistiefeier und Segnung, Grußworte, Würdigung des Geleisteten und quasi am Rande eine Standortbestimmung der Deutschen Sozialpolitik: Mit großem Bahnhof wurde am Donnerstagnachmittag der Neubau des Caritas-Beratungszentrums zwischen Lingener Straße und Bültstiege eingeweiht.

Rheine – Gekommen waren neben Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Bauer sowie hochrangige Vertreter aus Politik und Kirche aus der Region, Planer, Handwerker und Nachbarn. Die Redner zollten der Arbeit des Caritasverbandes ganz grundsätzlich ihren Respekt. Weihbischof Christoph Hegge segnete die Räume. Die Band der Christopherus-Schule (Ganztagsschule für Menschen mit geistiger Behinderung) und ihre Karaoke-Sänger sorgten für beste Stimmung. Das Publikum klatschte im Rhythmus mit, Inklusion par excellence, wie sie besser nicht gelebt werden könnte.

Mit dem Bau des neuen Beratungszentrums auf dem Gelände der ehemaligen Familienbildungsstätte will der Caritasverband Rheine ehemals ausgelagerte Dienste und Angebote wieder zentral in das Caritas-Haus einbinden. Das bedeute nicht, so Caritasvorstand Dieter Fühner, dass dezentrale Strukturen und gemeindenahe Versorgung abgebaut würden. Caritas Rheine sei von Beginn an dezentral aufgebaut worden und halte in vielen Stadtteilen von Rheine sowie in den Gemeinden Neuenkirchen und Wettringen verschiedene Hilfsangebote vor. Das solle auch so bleiben.

Verschiedene Dienste in neuem Gebäude

Im Neubau sind vor allem Dienste eingezogen, die bisher in unmittelbarer Nachbarschaft des Caritas-Hauses an der Lingener Straße zur Miete untergebracht waren, zum Beispiel die Jugendberatung, die Schwangerschaftsberatung, die Gemeindepsychiatrischen Dienste und Ambulante Suchtkrankenhilfe, die Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen. Ebenso hat die Suppenküche, die bisher an der Herrenschreiberstraße zu finden war, an der Bültstiege ihr neues Zuhause gefunden.

Mit der Erweiterung konnte die Caritas auch die Planungen für einen „Raum der Stille“ umsetzen. Das Kreuz für diesen Raum wurde gestern während des Gottesdienstes von Weihbischof Christoph Heege geweiht. Zukünftig soll dieser Raum für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und selbstverständlich auch für Besucher und Klienten eine Rückzugsmöglichkeit bieten.

Dank an Unterstützer

Caritas-Vorstand Dieter Fühner dankte in seiner Rede allen Beteiligten, die am Gelingen des Neubaus mitgewirkt haben, ganz besonders Karl-Josef Laumann, der seinerzeit noch als CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag Nordrhein-Westfalen in der Stiftung Wohlfahrtspflege das Rheiner Anliegen sehr unterstützt und den 700.000 Euro-Zuschuss der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW locker gemacht habe.

Das „wunderbare Ambiente“ rund um den Caritas-Neubau lobte Bürgermeister-Stellvertreter Udo Bonk. „Nächstenliebe ist die einzig mögliche Realpolitik“, zitierte Bonk den Polarforscher und Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen. Mit dem Neubau sei der Caritasverband Rheine in zentraler Lage gut aufgestellt, um Menschen, die Unterstützung brauchen, helfen zu können.

Auch Kreissozialdezernent Peter Lüttmann warf den Fokus auf Menschen, die kein stabiles Umfeld haben und deshalb Hilfen brauchen. Manchmal müssten sie von Pontius nach Pilatus laufen. Beratung und Hilfen unter einem Dach seien nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht interessant. Ein großer Vorteil sei, dass das Beratungszentrum ideal angelegt sei, um Schwellenängste zu nehmen.

Staatssekretär Karl-Josef Laumann sagte, der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW sei vieles in Rheine zu verdanken, unter anderem auch die Emstor-Werkstätten. „Wir müssen uns allerdings schon bald fragen, was wir auf Dauer leisten können in einer Gesellschaft, die sich völlig verändert hat“, verband Laumann auch sozialkritische Töne mit seinem Grußwort. Die Zahl der Erwerbstätigen nehme ab, umgekehrt jene der Hilfen-Empfänger zu. „Wir dürfen nicht glauben, dass es eine große Zukunft hat, immer mehr Menschen zu betreuen.“ Beratung und Begleitung müssten darauf abzielen, dass auch Menschen mit Handicap – sehr bald auch die vielen Menschen mit Demenzerkrankung – ihr Leben mitten in der Gesellschaft meistern könnten.

„Schön, dass Ihr das neue Haus habt“, richtete Laumann abschließend den Appell an alle, nicht jene zu vergessen, die NICHT kommen. Die christliche Soziallehre beinhalte, sich auch um jene zu kümmern, die eigenständig „nie von selbst kommen“.