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Westfälische Nachrichten: Pflegebedürftigkeit muss neu bestimmt werden

Quelle: Westfälische Nachrichten

Auf Einladung von VHS und Hospizverein referierte Karl-Josef Laumann in der Villa Winkel. Dabei wies der Bevollmächtigte der Bundesregierung für den Bereich Pflege einmal mehr auf den Fachkräftemangel in dem Bereich hin.

Eigentlich hätte der Referent am Donnerstagabend bei der gemeinsamen Veranstaltung von Volkshochschule und Hospizverein in der Villa Winkel selbst etwas Pflege nötig gehabt. Staatssekretär Karl-Josef Laumann, der Bevollmächtigte für Pflege im Bundesministerium für Gesundheit, kämpfte mit einer heraufziehenden Erkältung.

Aber er tat das tapfer und lobte sofort „eine der wichtigsten Errungenschaften der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 20 Jahre in der Bundesrepublik, nämlich die Hospizbewegung“. Hier sei ein Beispiel gegeben, wie hauptamtliche Versorgung und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand zum Wohle der Betroffenen funktioniere. Damit sei ein wichtiges Muster für die Zukunft der Pflege gerade von hochbetagten Menschen in der Gesellschaft gegeben. Und er machte auch seinen Standpunkt in der aktuellen Diskussion zur Sterbehilfe klar: „Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen den Weg in den Tod gehen und nicht durch die Hand eines anderen Menschen.“

Eingeladen war der Politiker, um die Zukunft der Pflegeversicherung zu skizzieren bei einer und für eine fortschreitend älter und eben auch pflegebedürftigere Bevölkerung. „Natürlich war sowohl bei der Einführung der Pflegeversicherung und der jetzt anstehenden Reform klar, dass wir nur ein Kompromissmodell gesellschaftlich absichern können.“ Gerade die finanzielle Belastung führe immer wieder zu Härten. „Aber Geld pflegt nicht. Das größere Problem ist, in Zukunft die Menschen zu finden, die vernünftig ausgebildet diese wachsenden Aufgaben bewältigen“, so Laumann. Darum mache er sich für die einheitliche also generalistische Ausbildung und Bezahlung von Kranken- und Altenpflegern stark und eben auch für eine umlagefinanzierte Ausbildung. Trotz einer neuerlich erfreulicheren Entwicklung bei der Ausbildung klafften mit Blick auf einen zukünftig dramatisch steigenden Bedarf immer noch große Lücken. Nicht nur durch den Anstieg dementieller Erkrankungen gelte es, den Begriff Pflegebedürftigkeit neu zu bestimmen und in adäquatere Pflegestufen umzusetzen „Ich denke, demnächst werden wir etwa fünf Pflegestufen haben, die sowohl die wichtigen Faktoren der häuslichen und ambulanten Pflege als auch der stationären Notwendigkeiten besser abdecken. Fest steht aber auch, dass wir dafür moderate Beitragsanpassungen benötigen werden.“