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„Arbeit löst die meisten Probleme“

Quelle: Westfälische Nachrichten

Steinfurt/Kreis Steinfurt „Ich bin von mir selbst beeindruckt“, gestand Günter Borowski mit einem Lächeln. nachdem er fast zwei Stunden lang Lobeshymnen über sein langjähriges Wirken als ehenamtlicher Geschäftsführer des Denkmalpflege-Werkhofs in Steinfurt/Hollich hatte hören dürfen. Freunde und Weggefährten waren am Freitagnachmittag ins eigens aufgebaute Festzelt auf dem Werkhof-Gelände gekommen, um den 74-jährigen „Günter“ zum Abschied zu feiern und seinem Nachfolger Rainer Brömmelhaus einen guten Start zu wünschen.

Natürlich sei Günter ein „absoluter Experte“ und könne kaufmännisch denken, aber der eigentliche Schlüssel zum Erfolg sei gewesen, dass er sich stets persönlich um die Menschen gekümmert und Anteilnahme gezeigt habe, lobte Landrat Thomas Kubendorff. Er würdigte auch Borowskis langjähriges Engagement als SPD-Kreisvorsitzender, Chef der Kreistagsfraktion und als Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Rheine. „Aufgeschlossen und neugierig“ sei er aufgetreten und genieße bis heute „sehr hohe Anerkennung in der Region“, befand Siegfried Konienczny, 1. Stellvertretender Landrat des Landkreises Mecklenburger Seenplatte, der trotz der langen Anreise persönlich erschienen war. Noch einmal ließ er die berühmte „blaue Stunde“ aufleben, bei der man damals am Kamin bei Nordhäuser Doppelkorn alle Themen rund um die Partnerschaft zwischen dem Kreis Steinfurt und dem damaligen Landkreis Demmin und um die Aufbauhilfe aus dem Westen „total ehrlich“ besprochen habe. Josef Feldmann von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, DBU, blickte auf „ausschließlich gute Projekte“ zurück, die die DBU beim Werkhof gefördert habe. Mit einem Bewilligungsbescheid über 90 000 Euro für das Trockenobst-Projekt (wir berichteten) hatte er das „dickste“ Geburtstagsgeschenk aller Gäste mitgebracht.

„Günter ist ein Mensch, der ehrlich ist und Dinge so meint, wie er sie sagt“, eröffnete Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und selber gerne als „ehrliche Haut“ gepriesen, seine Laudatio. „Er hat das hier alles mächtig in Schuss gesetzt“ befand Laumann über das Werkhof-Engagement, das „ein Stück Lebensinhalt“ geworden sei. „Mit Hartz IV Menschen stilllegen funktioniert nicht,“ leitete Laumann über zur sozialen Komponente des Werkhofs. 51 Langzeitarbeitslose werden dort derzeit in Brückenjobs oder über Lohnzuschüsse beschäftigt. Die Gesellschaft sei gut beraten, sich um diese Menschen zu kümmern, meinte Laumann, und „Günter hat das in einer Art und Weise gemacht, die mich tief beeindruckt hat“. Es tue ihm, Laumann, in der Seele weh, dass der Kombi-Lohn sich nicht durchgesetzt habe. „Inklusion ist erst gelungen, wenn sie in Arbeit endet“ sagte Laumann und traf damit genau Borowskis Sicht der Dinge.

Rainer Brömmelhaus, neuer Chef des Werkhofs, zeigte „Respekt vor den großen Fußstapfen“ , sagte „Ich bin glücklich, hier der Neue sein zu dürfen“ und kündigte die Einrichtung eines Kühlhauses und eines kleinen Hofladens als nächste mittelfristige Ziele an.

Ein sichtlich gerührter Günter Borwoski trat schließlich ans Mikrofon und gestand: „Es ist ein Erlebnis, die Dinge nochmals so Revue passieren zu lassen.“ Mit seiner Lebenspartnerin Margarete, genannt „Maggie“, beginne jetzt mit dem Umzug nach Grevenbroich ein neuer Lebensabschnitt – was Laumann zu der Bemerkung veranlasste: „Wenn ein Westfale nach so vielen Jahren an den Niederrhein zieht, ist das der ultimative Liebesbeweis“.

Es sei eine schöne Zeit gewesen, meinte Borowski, fand aber auch kritische Worte. Langzeitarbeitslose seien oft benachteiligte Menschen mit schweren Schicksalen. Sie wieder und wieder mit „Maßnahmen“ zu traktieren, sei der falsche Weg. Es gehe darum, sie lebensfähig zu machen. Der beste Weg dahin? „Mit Arbeit sind die meisten Probleme dieser Menschen gelöst“, plädierte er für einen auf Dauer angelegten Kombi-Lohn.