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„Wir dokumentieren uns zu Tode“

Quelle: Westfälische Nachrichten

Von Franz Neugebauer

Horstmar-Leer – Pflege und Betreuung der älteren Menschen, deren Vereinsamung und die Kosten standen jetzt im Mittelpunkt einer Veranstaltung der CDU Leer in Zusammenarbeit mit „WiLmaS“, der konzipierten, aber noch mangels Interesse nicht angenommenen Wohngemeinschaft für ältere Menschen in Leer.

Pflege und Betreuung der älteren Menschen, deren Vereinsamung und die Kosten standen jetzt im Mittelpunkt einer Veranstaltung der CDU Leer in Zusammenarbeit mit „WiLmaS“, der konzipierten, aber noch mangels Interesse nicht angenommenen Wohngemeinschaft für ältere Menschen in Leer. Der CDU-Vorsitzende Ludger Hummert begrüßte mit Staatssekretär Karl-Josef Laumann, dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, einen hochkarätigen Referenten zu diesem Thema. Präzise trug Laumann die Problematik der zunehmenden Anzahl der Pflegebedürftigen vor. „Gute Pflege heißt, dass Pflegebedürftige passgenaue Unterstützung abrufen können, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht werden“, betonte Laumann. Viele wollten, solange es gehe, in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Das treffe insbesondere für die ländliche Bevölkerung zu und sei wohl der Grund, weshalb eine Senioren-WG es in Leer schwer habe. „Wenn ich meiner 85 Jahre alten Mutter sagen würde, du sollst in eine Wohngemeinschaft einziehen, würde sie mich für verrückt erklären“, machte er die Situation recht deutlich.

Damit die alten Leute möglichst viel im Alltag selbst erledigen können, werden die Leistungssätze meistens pauschal um vier Prozent steigen. Zusätzliche Betreuungsleistungen in der ambulanten Pflege sollen auch körperlich beeinträchtigten Pflegebedürftigen zugutekommen.

„Die Pflegebürokratie ist wahnsinnig, wir dokumentieren uns zu Tode. Es bleibt dem Pflegepersonal wenig Zeit für die eigentlichen Aufgaben. Das muss geändert werden“, forderte Laumann. Er verwies auf eine Änderung dahingehend, dass zukünftig nur noch die unnormalen Vorgänge dokumentiert werden müssen. Pflegekräfte stärken, heiße, Pflegekräften mehr Zeit geben.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen nehme zu, gleichzeitig würden immer weniger junge Menschen eine Tätigkeit in einem Pflegeberuf anstreben. Und man benötige engagierte Kräfte, denn Geld pflege nicht. „In den nächsten 20 Jahren brauchen wir mehr als 500 000 Kräfte in den Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege“, prognostizierte Laumann. Da spiele das Geld nicht die herausragende Rolle, sondern vielmehr die Wertschätzung und die Attraktivität der Pflegeberufe. Arbeitsbedingungen müssten verbessert und die unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung in diesen Berufen korrigiert werden. Allein mit ausländischen Kräften sei das Problem nicht zu lösen.

Laumann kündigte eine Überholung der 20 Jahre alten Pflegeversicherung an. Ein neuer Bedürftigkeitsbegriff mit fünf statt bisher drei Pflegestufen ermögliche individuellere Einstufungen und passgenauere Leistungen in der Pflege. Da diese Neuerungen im Austausch mit der Praxis erprobt werden sollen, wird das Gesetz erst 2017 in Kraft treten.