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Ibbenbürener Volkszeitung: Laumann gegen den Bürokratieteufel

Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung


Gratulation: Staatssekretär Karl-Josef Laumann hat die besten Wünsche für Hanneke Wubbels, die Gründerin des Pflegedienstes, mitgebracht. Heinrich Weßling

Gratulation: Staatssekretär Karl-Josef Laumann hat die besten Wünsche für Hanneke Wubbels, die Gründerin des Pflegedienstes, mitgebracht. Heinrich Weßling

Von Peter Henrichmann

IBBENBÜREN. Klartext – anders geht das gar nicht, wenn Karl-Josef Laumann (CDU) hinterm Mikrofon steht. Wer und was dieser große, sehr präsente Mann ist, das muss man im Tecklenburger Land keinem mehr erklären: Kommt aus Riesenbeck-Birgte, CDU-Urgestein, Bundestag, NRW-Landtag, Minister, Fraktionschef   – kurz: Spitzenpolitiker. Kanzlerin Angela Merkel hat ihn vor einigen Monaten wieder in Hauptstadt nach Berlin geholt. Als Staatssekretär kümmert sich Laumann um das Thema „Pflege“. Bundesweit, intensiv. Pflege – es ist ein, wenn nicht sogar das Top-Thema in unserer Gesellschaft.

Pflege – wie wichtig das ist weiß Hanneke Wubbels. Seit 25 Jahren betreibt sie zusammen mit einem Team von 30 Mitarbeitern den Pflegedienst „Hand in Hand“. Das 25-Jahr-Jubiläum wurde nun gefeiert: Leugermann, festlich eingedeckter Saal in freundlich sonnengelben Farben, 250 Gäste.

Und eine kämpferische Festrede von Karl-Josef Laumann. Alle haben gespannt zugehört. Laumann sprach den Gästen, den Pflegebedürftigen, den Angehörigen und den Pflegekräften im Saal aus dem Herzen. Es gab viel Beifall. „Mitgefühl und Idealismus“ und eben nicht finanzielles Gewinnstreben, das bescheinigte Laumann der Gründerin Hanneke Wubbels als Motivation. Und genau da setzte er an mit einer in die Zukunft gerichteten Frage: „Wo finden wir denn in jedem kommenden Jahr zwei bis drei Prozent mehr Menschen, die Pflege überhaupt noch leisten wollen?“ In der älter werdenden Gesellschaft steigt der Pflegebedarf dramatisch, Laumann weiß das. Und er fordert mehr Wertschätzung für die Menschen, die Pflege leisten für die 2,5 Millionen Pflegebedürftigen. Zudem: „Wir brauchen eine kluge Politik, um Nachwuchs für die Pflegeberufe zu finden.“

Damit einher geht eine weitere glasklare Forderung Laumanns: „Ich meine, dass Pflegekräfte nach hoch qualifizierter Ausbildung einen Anspruch haben auf tarifliche Bezahlung. Und auch die Arbeit der anderen Hilfskräfte muss angemessen gewürdigt werden“, sagt Laumann. Die ab dem 1. Januar 2015 kommende Erhöhung und Flexibilisierung der Leistungen der Pflegeversicherung wie auch die Verdoppelung der Leistungen in der Tagespflege sind erste Schritte auf diesem Weg. Auch die kommende Beitragsanpassung in der Pflegeversicherung auf 2,6 Prozent „muss am Pflegebett ankommen und bei denen, die die Arbeit tun.“

Damit das alles klappt, sind laut Laumann drastische Einschnitte bei der überbordenden Bürokratie in der Pflege nötig: „Ich will diesen Bürokratieteufel weg haben“, sagt er. Und meint: Weg mit der Dokumentation in der Pflege, „die niemandem nützt. Das mit der Bürokratie hat sich verselbstständigt, das kann so nicht weitergehen!“

Sehr nachdrücklich betont Laumann in seinem Vortrag die gesellschaftliche Bedeutung der Pflege kranker und alter Menschen. Und erteilt wirtschaftlichen Ansätzen eine klare Absage: „So lange ich was zu sagen habe, werde ich der Idee, dass sich bei der Pflege um eine Art von ,Markt’ handelt schwer widersprechen.“ Logisch, dass Laumann nichts davon hält, billige Pflegekräfte aus dem Ausland her zu holen oder Senioren gar ins Ausland abzuschieben, weil dort Pflege billiger ist. „Unsere Alten gehören mitten in unsere Gesellschaft“, sagt Laumann, und er fordert: „Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen.“

Und 500 Hände klatschen Beifall – Hand in Hand  …