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Grevener Zeitung: Eine tickende Zeitbombe: Die Pflege

Quelle: Grevener Zeitung

Karl-Josef Laumann spricht über den Mangel an Fachkräften und Protokollierwahn

GREVEN. Schon seit Jahren ist klar: Die Pflege in Deutschland entwickelt sich mehr und mehr zur tickenden Zeitbombe. Häufig ist die Rede von einem Pflegenotstand. Deshalb lud der katholische Sozialverband KKV jetzt einen Fachmann ins Haus der Begegnung ein: Karl-Josef Laumann.

Seit rund einem halben Jahr ist der CDU-Mann aus Hörstel-Riesenbeck ganz weit vorne im Bundesgesundheitsministerium – er ist dort als Staatssekretär Beauftragter der Bundesregierung für Patientenbelange und Bevollmächtigter für die Pflege.

Er kennt die Situation in der Pflege wie kaum ein anderer. Als sein Parteikollege Norbert Blühm 1995 das Pflege-Versicherungsgesetz zur Verabschiedung brachte, da war Laumann an der Seite des damaligen Bundesarbeitsministers. Doch seitdem ist viel passiert. Der demografische Wandel hat Einzug gehalten, Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert.

Aus erster Hand

Für Abhilfe sorgen soll deshalb ab dem kommenden Jahr die ganz große Pflegereform, an der auch Karl-Josef Laumann arbeitet. Rund 30 Interessierte kamen, um Wissenswertes zur Reform aus erster Hand zu erfahren. Ein so reges Interesse ist für die Veranstaltungen des katholischen kaufmännischen Vereins keine Selbstverständlichkeit. Rund eine Stunde lang referierte Laumann – Worte über eine bevorstehende heile Welt in der Pflege brachte er jedoch nicht mit. Im Gegenteil: „Ich habe schon den Eindruck, da sollten wir uns mal nichts vormachen, dass die Stimmung in der Pflege schlecht ist.“ Klar sei schon jetzt, dass die Pflege nie gänzlich ohne das Zutun und die Mitarbeit von Familienmitgliedern funktionieren werde.

Bei allen neuen Ansätzen zur Verbesserung der Situation, so Laumann, komme es vor allem darauf an, nicht nur Fachkräften bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen – sondern überhaupt Pflegekräfte zu finden. „Wenn ich in die Einrichtungen gehe und nachschaue, dann beschweren sich die Mitarbeiter gar nicht so sehr über ihre Arbeitsbedingen, sondern fragen, ob ich nicht etwas gegen die Bürokratie tun kann.“

Tatsächlich werde die Politik dem Protokollierwahn in Pflegeeinrichtungen entgegenwirken. Das schaffe man mit dem jüngst verabschiedeten Pflegedokumentationsmodell, das ab Anfang 2015 vieles vereinfachen soll. „Im Prinzip“, sagt Laumann, „wird dann nicht mehr aufgeschrieben, wer alles kein Fieber hat – sondern wer welches hat.“

Pflegereform

Einstellen müsse man sich in Bezug auf die Pflegereform auch auf die Erhöhung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Pflegeversicherung, gegen die „aber niemand etwas hat, weil wir wissen, dass das notwendig ist“, so Laumanns Worte. keb