Suche
Suche Menü

Westfälische Nachrichten: „Die Stimmung in der Pflege ist schlecht“

Quelle: Westfälische Nachrichten

Karl-Josef Laumann zu Gast beim KKV / Staatssekretär sieht starken Handlungsbedarf

-Maximilian von den Benken- Greven – Deutliche Worte fand der Herr Staatssekretär: „Die Gesellschaft wie der Einzelne können vor dem Thema nicht weglaufen.“ Wohl gerade wegen dieser enormen Relevanz des Themas Pflege stieß das Landheimgespräch des katholischen Sozialverbandes KKV (Katholisch Kaufmännischer Verein), das diesmal im Haus der Begegnung stattfand, auf großes Interesse. Karl-Josef Laumann (CDU) wusste als Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege nicht nur, wovon er spricht, sondern bot – auch wenn die Zeit begrenzt war – zudem interessante Einblicke in die diesbezügliche Arbeit der Bundesregierung.

Laumann, nun seit einem Dreivierteljahr in der Position tätig, schilderte zunächst seinen Eindruck. „Die Stimmung in der Pflege ist schlecht – sehr schlecht.“ Dementsprechend sieht er starken Handlungsbedarf. Und übte dabei auch Selbstkritik an der Politik. „Viele Sachen hätten schon vorher gemacht werden müssen.“

Bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen erfuhr Laumann nicht nur von dem Problem, dass viele Pflegekräfte nur Teilzeitstellen finden und schlecht bezahlt werden. Er betonte: „Das Erste, worüber geredet wird, ist der Haufen an Bürokratie.“ Die viele Aktenarbeit in Pflegeheimen soll mit einem neuen Dokumentationssystem ein Ende haben. Laumann zeigte sich „sehr zuversichtlich“, dass dies bereits im kommenden Jahr Verwendung findet.

Bei den rund 50 stets interessiert zuhörenden Gästen stieß der Staatssekretär auf Zustimmung, als er die Pflege-Beitragserhöhung begrüßte. Diese bringe zwar notwendige zusätzliche Mittel, doch laut Laumann bleibt ein großes Problem. Wie lässt sich das angesichts des demografischen Wandels benötigte zusätzliche Personal finden?

„Ohne die Familie und Pflege zu Hause wird dies nicht zu lösen sein“, bezog der CDU-Mann Position. Auch Pflegekräfte aus dem Ausland stellten keine Lösung dar, stattdessen meint Laumann. „Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern, damit mehr junge Menschen den Beruf erlernen.“

Viel Arbeit also für den Pflegebeauftragten, der sich zudem auf die Fahnen geschrieben hat, das Angebot an Tagespflege auszuweiten. Abschließend betonte Laumann allerdings, dass ein komplett staatliches Pflegesystem nie Realität werden könne: „Es wird immer eine Kombination von privater Vorsorge, Versicherung und Hilfe der Familienmitglieder bleiben.“

Nach rund einer Stunde Vortrag beantwortete der CDU-Politiker einige Fragen der Zuhörer. Allerdings nur kurz, denn Laumann musste noch den Zug nach Berlin erwischen. Dafür informierten im Anschluss noch die Leiter der CMS-Pflegeheime über ihre Arbeit und ihr Pflegeheim.