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Münstersche Zeitung: Niemals geht man so ganz

Quelle: Münstersche Zeitung

Karl-Josef Laumann bleibt dem Kreis treu

KREIS STEINFURT. Auf einen Kaffee mit Staatssekretär Karl-Josef Laumann: Nach seinem Wechsel von Düsseldorf nach Berlin Mitte Dezember vergangenen Jahres wurde es still um den Sozialpolitiker aus Hörstel-Riesenbeck. Am Montag sprach er in Rheine erstmals über seine neuen Aufgaben und Ziele. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich bat den 56-jährigen Riesenbecker von Düsseldorf nach Berlin: „Zum Ende der Koalitionsverhandlungen rief sie mich an“, dann habe er lange überlegt. Mit der Bundeskanzlerin ist er „auf Du und Du“, seit er 1990 gemeinsam mit ihr in den Bundestag einzog. Karl-Josef Laumann wird geschätzt, weil er sagt, was er denkt.

Als er sich vor rund vier Wochen in Düsseldorf mit einer bewegenden Rede verabschiedete, sagte er gar, er wäre vielleicht sogar ein SPD-Mann geworden, wenn die Sozialdemokraten seinerzeit rund um Hörstel-Riesenbeck stärker vertreten gewesen wären. Doch der gelernte Maschinenschlosser wurde Christdemokrat – einer mit viel Bauchgefühl und Herzblut. Jetzt ist er Staatssekretär für die Pflege und Patientenrechte im Bundesgesundheitsministerium. Ein wichtiger Posten mit vielen Aufgaben, von dem man bislang wenig hörte. Das soll sich mit Laumann nachhaltig ändern: „Ich werde das jetzt vier Jahre beackern und ich merke jetzt schon, da ist viel Musik drin.“ Schließlich sei allen klar, dass es auf dem Pflegesektor gewaltige defizitäre Zustände gebe.

Debatten anstoßen

Karl-Josef Laumann will deshalb wachrütteln, vermehrt öffentliche Debatten anstoßen, vielleicht sogar provozieren, wenn es sein muss. Damit habe er schließlich nie ein Problem gehabt. Rückendeckung erhält er dafür auch von der Parteibasis, denn Laumann will nicht so einer sein, der für Berlin alles stehen und liegen lässt und sich dann nicht mehr für die Heimat interessiert. Im Gegenteil. Mehr Bürgersprechstunden im Kreisgebiet soll es geben, für die vielen Bürgerbriefe wird es in Berlin eine ganze Stabsstelle mit mindestens 20 Planstellen geben. Rund 7000 Briefe könnten es jährlich sein, die er dort erwarte und „die Leute sollen gescheite Antworten bekommen.“

Vier Jahre lang wird sich bei ihm alles um die Pflegeversicherung drehen, darum, dass es mehr Ärzte im ländlichen Gebiet geben muss, und auch emotionale Debatten wie die umstrittene aktive Sterbehilfe sollen auf den Tisch kommen. Laumann: „Bei den bisherigen Briefen stehen manchmal Sachen drin, die es in unserem Staat einfach nicht geben darf.“

Fachkräfte fehlen

Da statistisch gesehen zwei Drittel aller Frauen und rund die Hälfte aller Männe im hohen Alter zu Pflegefällen werden, Fachkräfte hierfür aber mehr und mehr fehlen, müsse es schnell Lösungen geben. Das Image der pflegerischen Berufe müsse aufgewertet werden, Tariflohn selbstverständlich sein und womöglich der Numerus Clausus für das Medizinstudium gelockert werden. So ganz schnell werde das aber nicht gehen, weiß auch der erfahrene Sozialpolitiker.

Gerade ist er dabei, vieles untersuchen zu lassen, verschafft sich einen Überblick. Eines aber scheint klar: „In den letzten Jahren haben wir für Ärzte, Krankenhäuser und die Forschung in der Pharmaindustrie verdammt viel getan. Aber die Pflege ist dabei zu kurz gekommen.“ Überhaupt führe man all diese Debatten zu ruhig, das bereite ihm Sorgen. „Es macht mich ganz kirre“, so Laumann, „wenn ich daran denke, dass meine Generation in das Alter kommt, in der man schnell zu einem Pflegefall wird.“ Schon jetzt gebe es hochgerechnet rund 12000 Pflegebedürftige im Kreis Steinfurt, aber nur rund 10000 festangestellte Fachkräfte. Nachwuchs sei aber nicht in Sicht. Jens Keblat