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Westfälische Nachrichten: Laumanns Wechsel nach Berlin

Quelle: www.wn-online.de

Auf- und Absteiger in der CDU

In der Unionsfraktion wird kurz vor Weihnachten noch heiteres Personenraten gespielt. Manchmal ist es auch weniger heiter. Zum Beispiel für die Abgeordneten aus dem Münsterland.

Von unserenMitarbeiterVolker Resing

Wer sind die Neuen? „Sabine Wer“ oder auch „Nadine Wer“? Schon beim neuen CDU-Generalsekretär Peter Tauber stutzten manche im Präsidium der Partei. Seitdem die erste Reihe der neuen großen Koalition mit Ministern besetzt ist, sortiert sich das Feld dahinter nach und nach neu. Da werden teilweise ganz unbekannte Namen nach oben gespült. Verjüngung war die Forderung, die im Raum stand. Bekanntere Köpfe aber, wie etwa Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder, fallen teilweise durchs Rost. Die Gründe für Auf- und Abstieg sind dann vielfältig.

Die 55-jährige Sabine Weiss aus Dinslaken und die junge 30-jährige Nadine Schön aus dem Saarland sind erst seit vier Jahren im Bundestag. Nun sollen sie schon zu stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden aufsteigen. Eine ungewöhnlichere Karriere. Für einiges Grummeln sorgt hier und da das undurchsichtige Personal-Schach bei den Kollegen in der Fraktion. Weiss soll für Sozialpolitik in die Spitze aufrücken und Schön für Familienpolitik. In den Fachgebieten waren sie bislang nicht aufgefallen. Dafür gehen dann andere leer aus.

Münsterländer gehen leer aus

Etwa beim Coesfelder Abgeordnete Karl Schiewerling, der sich als sozialpolitischer Sprecher einen Namen gemacht hat, verändert sich nichts. Noch deutlicher liegt der Fall beim Ahauser Abgeordneten Jens Spahn. Als gesundheitspolitischer Sprecher wurde er auch überregional in Talkshows und mit großen Interviews bekannt. Immerhin hatte ihn Kanzlerin Angela Merkel zum Verhandlungsführer für die Gesundheitspolitik in den Koalitionsverhandlungen gemacht. Manche hatten ihn schon als Minister gesehen, andere als neuen Generalsekretär. Auch Staatssekretär ist er nicht geworden oder eben Fraktions-Vize. „Ich nehme es sportlich“, sagt Spahn. „Ich bleibe das, was ich bin – und wie ich bin“.

In den sogenannten Teppichhändlerrunden der letzten Tage wurde hart gefeilscht. Da spielt vor allem der Länder- und Regionalproporz eine Rolle, natürlich auch, was Merkel sagt. Aber immer wichtiger wird auch die Frage, ob Frauen Spitzenplätze erreichen. Am 13. Januar sollen die Personalien abschließend von der Fraktion bestätigt werden.

Laumanns Wechsel nach Berlin

Eine Karriere ganz besonderer Art hingegen hat dafür der Riesenbecker CDU-Mann Karl-Josef Laumann hingelegt. Vom Chef der Düsseldorfer Landtagsfraktion wechselt er als Patientenbeauftragter nach Berlin. Laumann zieht durch die Hintertür in die Bundesregierung ein und macht es dadurch natürlich den sechs CDU-Abgeordneten aus dem Münsterland, vor allem aber Spahn und Schiewerling, etwas schwerer, die Schwelle der Macht in der Hauptstadt zu überschreiten. Als Merkel in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus die neuen Minister vorstellte, war Laumann die Überraschung. Die CDU-Chefin selbst erklärte die Personalie geradezu so, als ob sie nicht einen Posten zu füllen hätte, sondern quasi Laumann als Laumann verpflichten würde. Er sei „das soziale Gewissen der Partei“, stellte die CDU-Chefin fest. Deswegen freue sie sich auf ihn.

Laumann schlüpft dabei in eine völlig neue und einmalige Rolle. Er wird beamteter Staatssekretär, aber kein Beamter, wie er nicht müde wird zu betonen. Er wird aber auch kein Minister oder Abgeordneter, obwohl er sich frei und politisch äußern darf, wie ein Minister oder Abgeordneter. Er wird auch bei den Unions-Ministerrunden zur Vorbereitung der Kabinettssitzungen dabei sein. Ein Privileg. Seine regionale Anbindung und auch den Vorsitz bei den CDU-Sozialausschüssen wird er behalten. Die Union hat es geschmerzt, dass sie sowohl das Sozial-und Arbeitsministerium als auch das Familienministerium an die SPD abgeben musste. Laumann soll das kompensieren, mit seiner Art.