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Star-Ökonom macht Mut: Krise klingt ab

Quelle: www.wn-online.de

Zehn Jahre lang war er einer der fünf Wirtschaftsweisen, drei Jahre deren Vorsitzender. Jetzt analysierte Prof. Dr. Wolfgang Wiegard beim Neujahrsempfang des Kreisverbandes Steinfurt des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft die europäische Staatsschuldenkrise – und verbreitete verhaltenen Optimismus.

„Es besteht Anlass zu verhaltenem Optimismus, dass die Schuldenkrise in den nächsten Jahren abklingt“: Das sagt sich leicht und klingt wie die Beschwichtigungsformel eines Politikers, der besorgte Wähler beruhigen will. Ganz anderes Gewicht bekommen aber diese Worte, wenn sie ein Star-Ökonom wie Prof. Dr. Wolfgang Wiegart ausspricht – und detailliert aus einer Fülle von Daten und Fakten ableitet. Wiegard, der von 2001 bis 2011 einer der berühmten, die Bundesregierung beratenden „fünf Wirtschaftsweisen“ und drei Jahre lang deren Vorsitzender war, sprach am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang des Kreisverbandes des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft, BVMW, in der Stadthalle Rheine.

Mehr als 200 Unternehmer aus dem Kreis und darüber hinaus waren der Einladung der beiden BVMW-“Macher“ Susanne Schlüters und Günter Rohlmann gefolgt. Sie erlebten einen glänzend aufgelegten Wiegard, der – ohne ein einziges Wort abzulesen – in einem einstündigen Parforce-Ritt die „Wirtschaftliche Entwicklung und Währungsunion als unternehmerische Herausforderung“ analysierte.

Um es abzukürzen: Der ehemalige Wirtschaftsweise hält die Strategie der Bundesregierung zur Euro-Rettung in den wesentlichen Punkten für richtig. Für den mittelbaren Ankauf von Staatsanleihen der Krisenländer durch die EZB gebe es keine Alternative. Ein „Platzen“ der Währungsunion und eine Rückkehr der D-Mark wäre für Deutschland die teuerste Lösung und würde immense Vermögenswerte vernichten. Der Dreiklang aus Staatsanleihenankauf sowie der Ratifizierung von ESM und Fiskalpakt habe den Grundstein zur Bewältigung der europäischen Schuldenkrise gelegt. „Deswegen strömt wieder viel Kapital nach Europa“, meinte der Professor.

Allerdings gebe es durchaus Risiken. Da sei das „moralische Risiko“ nachlassenden Reformeifers in den Krisenländern, aber auch die deutsche Haftung für eine Pleite eines Krisenlandes oder die Gefahr der Inflation (die er aber für sehr unwahrscheinlich halte). Es lohne aber, diese Risiken in Kauf zu nehmen – als Preis dafür, dass die Währungsunion Bestand habe. Griechenland werde aber noch zehn Jahre am „Tropf der Troika“ hängen. Nach den Wahlen im Herbst werde der deutsche Steuerzahler dafür die Rechnung zahlen müssen. Nicht zuletzt sei auch Italien ein Risiko. Wenn dort bei den Wahlen am 24. Februar Berlusconi wieder an die Macht komme, werde das das Vertrauen der Märkte in Italiens Reformfähigkeit erschüttern.

Deutschland werde auch weiterhin die Konjunktur-Lokomotive Europas bleiben, sagte Wiegard. Das Land profitiere jetzt von einer moderaten Tarifpolitik und grundlegenden Reformen der Agenda 2010 – Reformen, die andere Länder noch vor sich hätten.

Zuvor hatte Karl-Josef Laumann, CDU-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag ein besserer Marketing für das Münsterland gefordert. Das sei zwar „nicht schlecht“, könne aber „mehr Schmackes“ vertragen. Das Münsterland befinde sich schon heute in einem Wettkampf der Regionen um die „tüchtigen jungen Leute“ und dieser Wettkampf werde sich weiter verschärfen. Das Münsterland müsse anspruchsvolle und gute Arbeitsplätze verbinden mit „guten Bedingungen für Wohnen und Familie“.

Laumann regte einen „Tag der Industrie“ im Wechsel mit „Tagen des Handwerks“ an, um die Vorzüge der Region besser darzustellen. Konkret brauche die Region dringend den sechsspurigen Ausbau der A1 zwischen Münster und Lotter Kreuz und eine bessere Verkehrsachse nach Ostwestfalen.