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Marienheim jetzt Behinderteneinrichtung

Quelle: www.muensterschezeitung.de

WETTRINGEN Ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Wettringer Marienheims ist abgeschlossen. Am Mittwoch wurde der Schlussstein zur Umbaumaßnahme der „Keimzelle“ der Einrichtung gesetzt.

Das Sandsteingebäude des einstigen Marienhospitals erstrahlt in neuem Glanz. Mit restaurierter Fassade und völlig neu gestalteten Innenräumen steht es jetzt als Verwaltung und Freizeiteinrichtung den Marienheim-Bewohnern zur Verfügung. Michael Niehues, Geschäftsführer der Marienheim Wettringen GmbH, verlas feierlich die Urkunde, die er in eine Kapsel eingeschlossen im Mauerwerk versenkte.

Der Schlussstein

Darin hieß es: „Im achten Jahr des Pontifikates von Papst Benedikt XVI., als Bischof Felix Genn das Bistum Münster leitete, als Christoph Backhaus Pfarrer in St. Petronilla, als Engelbert Rauen Bürgermeister von Wettringen, Michael Niehues Geschäftsführer der Marienheim Wettringen GmbH und Rüdiger Böckenfeld Heimleiter war, wurde im Beisein des fein sorgenden Aufsichtsrates mit dem Vorsitzenden Albrecht Jungnitz und den Mitstreitern Antonius Dankbar, Christoph Schulze-Bilk und Markus Strotmeier heute der Schulssstein gesetzt.“ Das Dokument enthielt auch einen guten Wunsch: „Möge in diesem Hause segensreiche Arbeit geleistet werden zum Wohle der Menschen mit Behinderungen.“

Nach einem Pontifikalamt in St. Petronilla segnete Weihbischof Dr. Christoph Hegge den  Schlussstein, den neu gestalteten Vorplatz des Verwaltungsgebäudes und die Kapelle ein. Eine Marienskulptur, die Wettringens ehemaliger Pfarrer Bernhard Avermiddig einst mit nach Metelen nahm, steht jetzt frisch restauriert auf dem Vorplatz. Auch sie bekam den Segen des Weihbischofs.


Altarbild

Egbert Verbeek, Maler und Bildhauer aus Bonn, stellte dem hohen Kirchenvertreter in der neuen Kapelle das von ihm gestaltete Altarbild vor. Es stellt einen Regenbogen als religiöses Symbol des alten Bundes dar.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft fanden sich im Festzelt ein. Niehues begrüßte die Gäste aufs Herzlichste und  erläuterte das Konzept der Einrichtung: „Das Marienheim Wettringen“, so der Geschäftsführer, „hat nach der Schließung des Krankenhausbetriebes Anfang der 1980er-Jahre und der danach folgenden Nutzung des Gebäudes als Wohn- und Betreuungseinrichtung für Menschen mit geistigen und/oder psychischen Behinderungen einen umfassenden Umwandlungsprozess vollzogen.“ Der Weg vom Krankenhaus zu der heutigen modernen und differenzierten Einrichtung der Behindertenhilfe sei mit der Zielsetzung gestartet worden, den hier lebenden Menschen ein angemessenes Wohn- und Betreuungsfeld zu bieten. Dabei wurde das Wohnangebot durch zwei Außenwohngruppen ergänzt. Weitere Baumaßnahmen, so Niehues, führten dazu, dass Wohneinheiten unterschiedlicher Größe für den Personenkreis der Menschen mit geistigen und für psychisch Behinderte entstanden. Eine Tagesförderstätte wurde errichtet, in denen die nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigten Bewohner unterschiedliche ergotherapeutische Hilfen und Angebote erfahren.

92 Bewohner

„Inzwischen kann allen 92 Bewohnern des Hauses ein Einzelzimmer angeboten werden“, so Niehues nicht ohne Stolz. Insgesamt sei ein wichtiger Meilenstein erreicht, um auch den zukünftig hier lebenden Menschen ein Wohnumfeld zu bieten, In dem sie sich wohlfühlten und in dem jeder Einzelne die für ihn notwendige Hilfe und Unterstützung erfahre.

„Das war ein Kraftakt und wir sind dankbar dafür, dass er gelungen ist“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates Albrecht Jungnitz.
Karl-Josef Laumann wurde in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stiftung Wohlfahrtspflege  NRW begrüßt. Niehues bezeichnete die Stiftung als „starken, zuverlässigen Partner für die Belange des Marienheims“: „Viele Eltern Behinderter werden von der Sorge geplagt was mit ihren Kindern werden solle wenn sie einmal nicht mehr lebten“, so Laumann. Hier seien verlässliche Strukturen gefragt. „Im Marienheim sollen Behinderte auch dann noch ein Zuhause haben, wenn die Angehörigen nicht mehr da sind“, hob er hervor. Die Entscheidung, die Einrichtung mitten im Dorf auszubauen, sei vor dem Hintergrund der Integration bewusst gefällt worden.
„Hier leben Menschen, die nicht einfach nur im Marienheim wohnen, sondern zur Bevölkerung dazugehören“, brachte es Bernd Siebertz, Leiter der Förderorganisation „Aktion Mensch“  auf den Punkt. 4,6 Millionen Mitspieler der Aktion Mensch-Lotterie hätten diesen Zukunftsschritt mit mehr als einer Million Euro mit gestaltet“, so Siebertz.
„Hier geht es nicht um Zahlen, hier geht es um Menschen“, betonte Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. „Die Bewohner des Marienheims sollen so normal leben wie es eben möglich ist“, fügte er hinzu.

Ein großer Tag

Mit dem Abschluss der vorerst letzten Baumaßnahme im Marienheim hätten sich die Chancen der Bewohner auf Selbstbestimmung und Teilhabe verbessert, stellte Heinz-Josef Kessmann, Vizepräsident des Deutschen Caritasverbandes, fest.
„Dies ist heute ein großer Tag für das Marienheim, für die Gemeinde Wettringen, aber auch für mich“, sagte Bürgermeister Engelbert Rauen. Er blickte zurück und berichtete, dass er in der Marienhospital-Kapelle bereits als Messdiener aktiv war. Der Bürgermeister bezeichnete es als Glücksfall, dass aus dem ehemaligen Krankenhaus eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung geschaffen werden konnte. Rauen überreichte einen Scheck über 2000 Euro an Niehues. Die Gemeinde, politische Fraktionen und die Sparkasse spenden den Betrag zur Finanzierung der Marien-Statuen-Restauration auf dem Vorplatz.


Bessere Betreuung


„Die Qualität der Betreuung hat sich nach Abschluss der Bauprojekte noch verbessert“, so Maria Hüwe, Sprecherin des Vertretergremiums Bewohnerbeirat. Sie betrachtete die Situation aus soziologischer und psychoanalytischer Perspektive.
Das Schlusswort hatte Pfarrer Christoph Backhaus. Er betonte, das Sozialengagement eines Christen hätte weniger mit Tradition oder Mitleid zu tun, vielmehr sei es gleich Jesus ein beispielhaftes Voranschreiten. Sympathie und Empathie seien dabei wesentliche Voraussetzungen, um überhaupt ethisch Handeln zu können. „Ein Marienheim-Bewohner braucht kein Mitleid, er will respektiert werden“, hob der Pfarrer von St. Petronilla hervor.
Niehues überreichte den Rednern die Prägung einer Ansicht des Verwaltungsgebäudes auf Sandstein als Erinnerung an diesen bedeutsamen Tag.
Musiker Gary Woolf von der Musikschule Münster spielte zur Unterhaltung auf der Querflöte. Am Nachmittag schloss sich ein buntes Sommerfest mit Kaffee und Kuchen an.