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Die Sehnsucht der Schüler nach Ruhe

Quelle: www.wn-online.de

MdL Karl-Josef Laumann besucht eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde in Steinfurter Hauptschule

Jeder dritte Schüler, sagt eine Uni-Studie, leidet irgendwann unter Depression. Ob es am Stress, an häuslichen Situationen oder gesellschaftlichen zwängen liegt – darüber lassen sich viele Studien aus. Gerlinde Lamberty handelt lieber: Sie geht in die Schulen und und bringt den Schülern Entschleunigung bei. Jetzt hatte sie in Steinfurt einen ungewöhnlichen Hospitanten: Karl-Josef laumann, Vorsitzender der CDU im Düsseldorfer Landtag.

Schlafen in der Schule? Dafür gab es früher was an die Ohren. „Oder ein Stück Kreide an den Kopf“, sagte Karl-Josef Laumann und meinte damit durchaus auch seine eigene Schulzeit. Welten davon entfernt aber war die Unterrichtsstunde, die der Fraktionsvorsitzende der Landtags-CDU gestern in der Steinfurter Schule am Bagno miterleben durfte, wo seit drei Jahren auch „Dösen“ auf dem Stundenplan steht.
Passiert ist dabei eigentlich fast nichts. Klassische Musik säuselt durch den Raum, in dem die Fünftklässler sich auf Iso-Matten ausgestreckt haben und den leisen Anweisungen von Gerlinde Lamberty lauschen. Die Augen sollen sie schließen, Auf ihren Atem hören. Daumen und Zeigefinger sanft zusammenpressen. Zur Ruhe kommen. Diese Übungen sind Kernstücke eines Programms, das die diplomierte Entschleunigerin entwickelt und seit drei Jahren an der Steinfurter Hauptschule durchführt.

Mit unerwartet großem Erfolg, wie Eltern, Lehrer und Schulleiterin Christa Hikelammert betont, die sehr bedauert, dass für eine Fortführung des Projekts auch im nächsten Jahr das Geld fehlt.

Nicht zuletzt deswegen hat Gerlinde Lamberty den Landespolitiker Laumann eingeladen. Und der Besucher aus Düsseldorf bekam zunächst Erstaunliches und Erschreckendes zu hören: Dass die uni in Lüneburg herausgefunden hat, dass jeder dritte Schüler Gefahr laufe, depressiv zu werden. Dass viele Kinder unter mangelnden Zuwendung leiden, dass gesundheitliche Probleme rapide zu- und Lebenskompetenz abnehme. Immer öfter würden Kinder und Jugendliche verhaltensauffällig oder schlittern in seelische Erkrankungen, die längst nicht immer erkannt würden. Das alles koste Geld und Menschenleid und lasse Wertschätzung, Sinn- und Lebensorientierung kaum eine Chance.

Mehr als zwei Stunde Zeit nahm sich Karl-Josef Laumann, um sich auch im anschließenden Gespräch noch die nachweislich positiven Langwirkungen des Projekt darlegen zu lassen. Laumann zeigte sich beeindruckt, gab sich aber auch als Realpolitiker: Eine Chance, so ein Projekt flächendecken einzuführen, sieht er nicht. Außerdem seien die anstehenden gesellschaftlichen Probleme mit Projekten nicht zu lösen. Laumann schlug daher vor, Grundzüge des von Gerlinde Lamberty entwickelten Programms in der Lehrerfortbildung zu verankern.
Ein Versprechen könne und wolle er nicht abgeben, aber ließ immerhin eine Zusage in Steinfurt: „Schicken Sie mir eine Projektskizze“, bat er Gerlinde Lamberty, „dann werde ich zusehen, ob ich in Düsseldorf Stellen finde, die weiterhelfen können.“