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Laumann: „Wir sollten uns an die eigene Nase fassen“

Quelle: www.muensterschezeitung.de

Karl-Josef Laumann hat eine Menge aufzuarbeiten. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen muss das schlechteste Ergebnis seines Landesverbandes verkraften und erklären. Mit Rasmus Buchsteiner sprach Laumann über die Seehofer-Kritik an Norbert Röttgen und Konsequenzen für die Zukunft.Von Rasmus Buchsteiner

CSU-Chef Horst Seehofer fordert Konsequenzen aus dem CDU-Wahldebakel an Rhein und Ruhr. Was muss jetzt geschehen?
Laumann: Natürlich kann man nach einer solchen Niederlage nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Seehofers Äußerungen sind allerdings ein starkes Stück. Seine Kritik an der Arbeit von Norbert Röttgen als Bundesumweltminister ist unfair und in keiner Weise gerechtfertigt. Norbert Röttgen ist ein klasse Umweltminister. Er sollte es bleiben. Das ist für Deutschland gut, und es ist auch für die schwarz-gelbe Regierung in Berlin gut.
Noch einmal: Welche Konsequenzen muss die Union aus dieser historischen Wahlniederlage ziehen?
Laumann: Es ist das schlechteste Ergebnis in der Geschichte unserer Partei. Wir sind mit unseren Themen nicht durchgedrungen. Das müssen wir jetzt schonungslos aufarbeiten. Norbert Röttgen hat nicht lange rumgeeiert, sondern den Parteivorsitz sofort zur Verfügung gestellt. Er hat im Wahlkampf Fehler gemacht und hätte sich von Anfang an klar darauf festlegen müssen, notfalls auch Oppositionsführer in Düsseldorf zu werden.
Hat es allein an strategischen Fehlern des Spitzenkandidaten und der NRW-CDU gelegen?
Laumann: Wir hatten viel Unterstützung aus Berlin. Die Bundeskanzlerin war neun Mal bei uns im Wahlkampf. Es gab keinen Gegenwind, sondern viel Rückenwind aus der Bundespolitik. Wir sollten uns an die eigene Nase fassen. Es ist eine verlorene Landtagswahl, nicht mehr und nicht weniger.
Gerade sind Sie zum Fraktionschef im NRW-Landtag gewählt worden. Wollen Sie Röttgens Nachfolger an der Spitze der Landes-CDU werden?
Laumann: Ich behalte mir die Kandidatur ausdrücklich vor. Nächste Woche tagt wieder der Landesvorstand. In dieser Sitzung werden sich diejenigen erklären, die für den Landesvorsitz kandidieren wollen. Dann wird man sehen, was passiert.
Wird es auch dieses Mal eine Kür per Mitgliederbefragung geben?
Laumann: Darüber entscheidet der Landesvorstand. Wettbewerb kann nie schaden. Sollte es mehrere Kandidaten geben, spricht viel für einen Mitgliederentscheid. Es wäre jedenfalls schwer zu begründen, warum man vor zwei Jahren einen gemacht hat und jetzt keinen.
Hat Seehofer nicht Recht mit seinem Hinweis, dass die Zusammenarbeit zwischen Union und FDP in der Berliner Koalition stark verbesserungswürdig ist?
Laumann: Es ist an der Zeit, dass in Berlin Themen abgeräumt werden. Der Streit über das Betreuungsgeld kann nicht über Wochen so weitergehen. Irgendwann muss entschieden werden. Kita-Ausbau und Betreuungsgeld sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir benötigen viel mehr Betreuungsplätze. Der Kita-Ausbau hat Priorität. Wenn im Haushalt genügend Spielraum ist, spricht aber auch nichts gegen das Betreuungsgeld.
Der frühere Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sich in Nordrhein-Westfalen immer als „Arbeiterführer“ bezeichnet. Hat die CDU die Arbeitnehmer als Zielgruppe aufgegeben?
Laumann: Die CDU muss für die Leistungsträger einstehen. Dabei ist es vollkommen egal, ob sie ihr Geld als Unternehmer oder als Facharbeiter verdienen. Für diese beiden Zielgruppen muss die CDU gute Angebote machen. Wir setzen auf gute Arbeit und faire Löhne. Deshalb haben wir im Wahlkampf ganz klar auf die Einführung von Lohnuntergrenzen gesetzt.