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CDU stürzt ab, SPD gewinnt kräftig Grunendahl und Veldhues bangen

Quelle: www.wn-online.de

Kreis Steinfurt – Später am Abend, als das ganze Ausmaß der CDU-Niederlage und des rot-grünen Triumphes klar ist, als feststeht dass Karl-Josef Laumann und Christina Schulze-Föcking zwar ein paar Federn lassen müssen, aber ihre Wahlkreise ebenso souverän gewinnen werden wie Frank Sundermann den seinen für die SPD; als die Schnittchenteller so leer sind wie die Handy-Akkus und die ersten Verlierer schon wieder (ein bisschen) lachen können, da gibt es nur noch ein Thema: Schafft es Wilfried Grunendahl, CDU, im Wahlkreis 83 trotz einer krachenden Niederlage noch über die Landesliste in den Landtag? Und was ist mit Elisabeth Veldhues? Fliegt sie raus – obwohl die SPD so viele Stimmen gewinnt?

„Grunendahl kann es schaffen“ weiß CDU-Kreisgeschäftsführer Johannes Machill, gibt aber auch zu bedenken, wie kompliziert das Verfahren ist. Grunendahl selbst hat sein Handy abgeschaltet und zittert in einer Brochterbecker Gaststätte. Elisabeth Veldhues – von den meisten eigentlich schon abgeschrieben – rechnet sich um 21 Uhr noch gute Chancen aus, weiß aber auch: „Das kann spät werden“. Die SPD hole wohl 93 Mandate, davon 90 direkt, blieben drei Mandate, die über die Liste einrückten: „Da müsste ich eigentlich dabei sein“. Sicher dabei ist Norwich Rüße von den Grünen: Er zieht wie schon vor zwei Jahren über die Liste ins Parlament.

Begonnen hatte der Wahlabend im Kreishaus mit einem Paukenschlag: Ganze 26 Prozent für die CDU lautet die Prognose und Bernhard Hembrock, stellvertretende Landrat der CDU, muss als einzig Anwesender aus den CDU-Reihen den Super-GAU ganz alleine kommentieren.. „Das glaube ich nicht“, „Das ist ein Hammer“ „Ich werd´ nicht mehr“ das ist seine erste Reaktion: Dann die Analyse: Röttgen sei zu „technokratisch“ rübergekommen, das Thema Schulden habe nicht gezündet, die CDU habe ihre Themen nicht gut genug vermitteln können.

Freude pur dagegen bei dem SPD-Kreisvorsitzenden Jürgen Coße: „Ich habe hier schon oft genug gestanden und schwache SPD-Zahlen kommentieren müssen“, erinnert er sich. Jetzt aber „geht das runter wie Öl.“ Der Sieg sei ein Erfolg „unserer Power-Frau“. Und wenn die SPD tatsächlich vier Münsterland-Wahlkreise hole, sei das Münsterland nicht mehr länger schwarz.

Landrat Thomas Kubendorff ordert angesichts leerer Platten erstmals neue Schnittchen – er weiß, wie dringend jetzt mancher seinen Frust mit Kalorien bekämpfen muss. Ja, er habe schon mit so etwas gerechnet, mit 30, 31 Prozent. Aber 26 ? Nie. Ja Hannelore Kraft sei eben populär, habe mit einem guten Slogan gepunktet. Das Thema Verschuldung dagegen könnten „die Leute nicht mehr hören“. Die CDU hätte „klare Kante zeigen sollen“ auch mit konkreten Sparvorschlägen. Das einzig gute sei, dass die FDP drin und die Linken draußen seien.

Dann, als schon keiner mehr damit rechnen, kommt Christina Schulze-Föcking, begleitet von Ehemann Frank. Sie strahlt, freut sich über ihr persönlich gutes Ergebnis, Ja natürlich sei sie enttäuscht über das schlechte Abschneiden der CDU insgesamt. Umso mehr danke sie ihren Wählern. Ob Karl-Josef Laumann jetzt auch den Landesvorsitz übernehmen solle? „Warten wir´s ab“ sagt sie, aber auch: „Er ist einer unser hochkarätigsten Politiker, hat großen Rückhalt in der Fraktion und die Menschen schätzen seine Art.“

Laumanns Mitarbeiter Martin Grotegerd hat früher am Abend seinen Chef in Düsseldorf telefonisch auf dem Laufenden gehalten, permanent die Erststimmen aktualisiert. Laumann darf aufatmen: An der Heimatfront herrscht Ruhe: Knapp zehn Prozentpunkte liegt er vorne vor Veldhues.

Und die anderen? Die FDP freut sich über gute Ergebnisse im Landestrend, die Grünen sowieso. Die Piraten überspringen auch im Kreis locker die 5 Prozent. „So gerne habe ich noch nie ne sechs gehabt“, erinnert sich Pirat Rainer Wiese an die Schulzeit. Traurig ist sind die Linken, 2,1 Prozent, 1,7 – die Ergebnisse im Kreis sind fast noch schlechter als im Land. „Mediale Nichtbeachtung“ sei ein Grund dafür, findet Ernst Goldbeck.

Und was ist mit Veldhues, was mit Grunendahl? Es ist schon 22 Uhr – und noch immer keine Nachricht. Für sie wird es ein extra langer Wahlabend. Die einen feiern, die anderen lecken ihre Wunden – die beiden hoffen noch und bangen.