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Schüler fragen Landtagskandidaten: Politikern auf den Zahn gefühlt

Quelle: www.muensterschezeitung.de

RHEINE „Politik zum Anfassen“ praktizierte Lehrer Sascha Drescher, als er und seine Kollegen am Kopernikus-Gymnasium Vertreter der sechs aussichtsreichsten Parteien für die Landtagswahl in NRW in die Aula ihrer Schule einluden.

„Politik zum Anfassen“ sollte in erster Linie den Schülern ab Klasse 9 ein Forum bieten, ihre Fragen direkt an die Politiker stellen zu können. In der vollbesetzten Aula machten sie davon reichlich Gebrauch, nachdem sie aufmerksam den Statements der sechs Politiker zugehört hatten. Souveräner Diskussionsleiter war Lehrer Sascha Drescher.

Körpersprache und Sitzordnung könnten mehr ausgesagt haben als viele Worte, die sich schwerpunktmäßig um die Bildungspolitik drehten. Rechts außen – aus Sicht der Zuhörer – saßen Elisabeth Veldhues (SPD) und Silke Friedrich (Die Grünen) nebeneinander. Zwischen Veldhues und Karl-Josef Laumann (CDU) saß Newcomer René Rottmann (Piratenpartei). Meist wandte sich Laumann von seinem Nachbarn Heinz Bauer (Die Linke) und Sascha Nolden (FDP) ab, der ganz links außen platziert war.

Klare Position

Klar und engagiert bezog Veldhues Position: „Es wird keine Schulform abgeschafft. Der ´Kampfbegriff` Einheitsschule sollte in die Mottenkiste.“ Die Studiengebühren kehrten nicht zurück und das Bafög müsse angepasst werden, so Veldhues.

Differenzierter äußerte sich Friedrich dazu: „Es gibt in unserem Land die Unkultur des Aussortierens. Wenn wir Gerechtigkeit wollen, muss das in der Schule passieren durch individuellere Förderung.“ Rottmann ging sogar noch weiter. Neben der individuellen Förderung, die alle Parteien wollten, plädierte er für die Abschaffung des Religionsunterrichts. Das Fach Ethik solle dafür eingeführt werden.

Auch Laumann wollte die Schultypen erhalten, nur die Qualität müsse gesteigert werden. Zu große Klassen bemängelte auch er. Fast alle Politiker hofften auf die Auswirkungen des demografischen Wandels, das heißt sinkende Schülerzahlen bei gleichbleibender Lehrerzahl. „Wir sind in NRW beim Ausbau der Kita-Plätze viel zu spät angefangen“, kritisierte Laumann ein anderes Manko.

Rottmann und Bauer forderten kostenfreie Kindergartenplätze. „Bei uns fängt Bildung mit der Sprachförderung für Migrantenkinder vor dem Kindergarten an“, betonte Bauer. Außerdem forderte er die Wiedereinführung des G9er-Abiturs.

FDP für Studiengebühren

Nolden positionierte sich zwischen den vielen Argumenten. Er wandte sich gegen die Grundschule mit Sekundarschule und sprach sich für die Wiedereinführung der Studiengebühren ein. Letztere sollten erst nach dem Ende des Studiums mit dem Berufseintritt eingefordert werden.

Die Fragen der Schüler verlangten nach deutlicheren Stellungnahmen. „Chancengleichheit ja, Bildungsgerechtigkeit ist in Deutschland nicht gegeben“, kritisierte eine Schülerin. „Wir waren in der Klasse nie unter 25 Schüler, manchmal sogar bis zu 35 Schüler“, monierte eine andere Schülerin.

Patentrezepte hatte keiner der Politiker. Es fehle das Geld für mehr Lehrer, außerdem fehlten die ausgebildeten Lehrer. Beifall gab es trotzdem für die Möglichkeit der „Politik zum Anfassen“. „Gehen sie zur Wahl. Nutzen sie ihr Recht“, forderte Bauer zum Schluss die Schüler auf.