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Karl-Josef Laumann schont im Wahlkampf weder sich noch den Gegner

Quelle: www.wn-online.de

Münster – Wahlkampf ist auch Knochenarbeit. Jeden Tag 15 Stunden auf den Beinen, im ganzen Land unterwegs, am Wochenende dann im eigenen Wahlkreis. Karl-Josef Laumann hat knapp eine Woche vor der Landtagswahl schon mehr als 70 Prozent der Kreisverbände besucht. Sich nur auf die eigenen Hochburgen zu beschränken, davon hat er noch nie etwas gehalten, seit er 1974 als 17-Jähriger in die CDU eingetreten ist.

Ihn reizt es, dahin zu gehen, wo der Gegner ist: „Als ich noch in der Jungen Union Riesenbeck war, sind wir früher immer nach Westerkappeln gefahren, weil wir da noch ein paar Sozis kennenlernen konnten“ blickt der inzwischen 54-Jährige zurück. „Zu hören, dort hängen keine CDU-Plakate, war für uns wie ein Arbeitsauftrag. Am nächsten Morgen sah es dort aus wie in einer CDU-Hochburg.“ So geht Wahlkampf – irgendwie auch heute noch.

Einer wie Laumann, der beherzt auf die Menschen zugeht, kriegt die Wählerumfragen nicht mit seiner Erfahrung übereinander: „Der Trend deckt sich nicht mit dem, was wir draußen erleben.“ Und das sei eben sehr viel Zustimmung zur Haltung der CDU, erzählt der Vorsitzende der letzten CDU-Landtagsfraktion beim Besuch unserer Redaktion. Darum ärgere ihn auch, dass die politischen Gegner die Auseinandersetzung verweigerten: „Eigentlich ist der Wahlkampf ein Hochamt der Demokratie.“

Als Folge flacher Inhalte drohe eine niedrige Wahlbeteiligung. Dabei geht es für das Münsterland um viel. Als Beispiel nennt Laumann die Landeszuweisungen an die Kommunen. Im Gemeindefinanzierungsgesetz hatte Rot-Grün die Soziallasten stärker berücksichtigt, andere Kriterien dafür weniger. Das ging zu Lasten des ländlichen Raums.

Laumann redet Klartext: „Wenn der Bewohner einer großen Stadt der Ministerpräsidentin 670 Euro Landesmittel wert ist, ein Einwohner im Münsterland aber nur 115 Euro, bleibe ich bei meiner Aussage: Diese Ministerpräsidentin ist für das Münsterland eine Rabenmutter, keine Landesmutter.“

Dahinter steht für den Fraktionschef auch die Frage nach der Handlungsfähigkeit der Kommunen und ihrer Politiker: Die wieder herzustellen, sei eines der drei großen CDU-Ziele.

Davor noch setzt Laumann die Finanzlage. Die demografische Entwicklung lehre, dass in Zukunft weniger Steuerzahler den Haushalt finanzieren. „Ich glaube, dass dieses Zeitfenster nicht ewig offen steht“, sagt er nachdenklich. „Wir müssen die Weichenstellung für einen ausgeglichenen Haushalt in den nächsten fünf Jahren vornehmen.“

Dritter Herausforderung sei die Veränderung im Erziehungssystem: Der Bedarf an Betreuungsplätzen wachse „schneller, als wir bauen können“. Dass Laumann, der im CDU-Schattenkabinett Arbeit, Soziales und Gesundheit vertritt, das Ziel der Regierungsbeteiligung nicht aufgegeben hat, lässt er auch der jüngsten Spardebatte im Gesundheitswesen. „Als NRW-Gesundheitsminister würde ich dafür sorgen, dass jeder – unabhängig von seinem Alter oder wirtschaftlichen Leistungskraft – die medizinische Versorgung bekommt, die er haben muss.“ Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen.