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Im Kreuzfeuer der Kritik

Quelle: Münsterländische Volkszeitung

-Reiner Wellmann- Der härteste Gegner von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière war gestern in der Rheiner Heeresfliegerkaserne ein Parteifreund. „Lieber Thomas“, ging Landtagsabgeordneter Karl-Josef Laumann den Chef der Bundeswehr frontal an, „die Entscheidung über den Standort Rheine lag bei dir persönlich. Ein Erhalt wäre möglich gewesen. Das hatten wir hier anders erwartet“. Noch deutlicher formulierte es Kreisdirektor Martin Sommer: „Wir sind im offenen Dissens auseinander gegangen. Unsere Argumente sind nach wie vor die Richtigen“.

Womit klar war, dass die kleine Gnadenfrist, die de Maizière dem Standort Rheine gewährt, die meisten Soldaten, Zivilisten und Politiker gestern nicht zufrieden stellen konnte. Statt im Jahr 2014 soll das mittlere Transporthubschrauberregiment erst im Jahre 2017 auslaufen. Allerdings stehen die ersten Veränderungen schon in wenigen Wochen an: Im Juli werden die Heeresflieger der Luftwaffe unterstellt und Teil des neuen Hubschraubergeschwaders 64.

Einen ganzen Nachmittag nahm sich der Verteidigungsminister Zeit, um den Betroffenen seine Entscheidung zu erklären. „Das war die schwierigste Entscheidung, die ich im Rahmen der Neustrukturierung zu treffen hatte“, sagte de Maizière zum Abschluss. Es sei eine Gesamtschau der Gründe gewesen, die für die beiden künftigen Heeresfliegerstandorte Laupheim und Schönewalde bei Berlin gesprochen hätten. Wobei ein Grund die Tatsache sei, dass der Flugplatz Schönewalde über eine Landebahn für Transportflugzeuge verfüge: „Damit können wir Synergieeffekte im Lufttransport generieren. Die Initiative aus der Region Rheine, die ihm in einer Expertise viele Gründe für den Erhalt des Standortes aufgelistet hatte, habe die Entscheidung noch schwerer gemacht, sagte der Minister, der zuvor die Sportschule der Bundeswehr in Warendorf besucht hatte.

„Wir haben es ihm nicht leicht gemacht“, stellte denn auch Regionalratsvorsitzender und Wettringens Bürgermeister Engelbert Rauen fest. Der Minister habe die „goldene Brücke“ über eine deutlichere Verlängerung der Zeitschiene nicht genutzt. Nach Rauens Lesart ist das letzte Wort über ein Ende des Standortes Rheine 2017 noch nicht gesprochen.