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Versiegelung der Landschaft: Imker fürchten „Betonitis“

Quelle: www.muensterschezeitung.de


RHEINE Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Voraussichtlich im Herbst soll das neue Kreisimkerzentrum in Rheine auf dem Gelände des Heimathauses Hoovessat eröffnet werden. Vom Stand der Bauarbeiten überzeugte sich auf Einladung der Imker am Freitag der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Josef Laumann vor Ort.

Das neu entstehende Gebäude am Heimathaus in Rheine dient den Kreisimkern zukünftig als Schulungs- und Fortbildungseinrichtung. Betreut wird es vom Imkerverein Rheine. Laumann ließ sich Räumlichkeiten und Zweck detailliert erklären, wozu die Maler Pinsel und Rolle für kurze Zeit ruhen ließen.

„Ich bin froh, dass es Vereine gibt, die sich der Kleintierzucht widmen“, betonte Laumann und schloss die Imker mit ein. Auch für den Erhalt mancher Tierrassen sei die Zucht auf privater und auf Vereinsebene unerlässlich.

„Dieser Termin ist übrigens bereits vor langer Zeit abgestimmt worden, als der Wahlkampf noch gar kein Thema war“, stellte der Abgeordnete klar.

Breites Themenspektrum

Das Themenspektrum, das die Imker ihm bei Kaffee und Brötchen im Heimathaus vortrugen, war groß. Die Bienenexperten sorgen sich um die zunehmende Versiegelung der Landschaft.

Die „absolute Betonitis“ in den Städten lasse die Natur zurückweichen. Auch Monokulturen, die sich in einigen Gegenden beispielsweise im ausschließlichen Anbau von Mais zeigten, seien ebenfalls ein Problem. Finden die Bienen keine Blüten mehr, können sie keine bestäuben und Früchte wachsen lassen. Nicht zuletzt auch die Beseitigung von Wallhecken nimmt den Insekten die Möglichkeit, ihrer Bestäubungs-Aufgabe nachzukommen.

Laumann und die Imker waren sich jedoch einig, dass es in der Region des Münsterlandes mit „Mutter Natur“ noch relativ gut bestellt sei. Neues Imkerzentrum

Auch der gesetzliche Schutz der Bienen war Thema. Sie seien keineswegs so gut geschützt wie beispielsweise Katze und Hund. Imker könnten im Grunde „alles mit ihren Bienenvölkern machen“, was kritisiert wurde. Laumann zeigte Verständnis für die Problematik, stellte aber die Frage, ob wirklich alles reglementiert werden müsse.

„Unsere Honigerträge im Kreis Steinfurt sind gut“, konstatierte der KIV-Vorsitzende Klaus Besseling. „Das neue Imkerzentrum soll möglichst viele Menschen mit der Imkerei vertraut machen und Hemmschwellen abbauen“, hob er hervor. „Man soll die zentrale Bedeutung der Bienen für den Bestäubungsprozess der Pflanzen und damit für das Wachsen der Früchte erkennen.“

„Wir brauchen Imker-Nachwuchs“, so Besseling, glücklicherweise wachse die Begeisterung für die Imkerei seit zwei Jahren stetig.

Fördermittel vom Land

Klaus Günnigmann, ehemaliger Biologielehrer, leitet Unterrichte und Führungen. „Wir konzentrieren uns auch auf die Wildbienen wie Hummeln, Wespen und Hornissen“, sagte er. Diese stünden nicht etwa in Konkurrenz zu den Honigbienen, sondern ergänzten sie beim Bestäuben der Blüten.

Schulungsraum, Lehrbienenstand, Schaukasten – für die Aus- und Weiterbildung von Imkern steht alles zur Verfügung.

Mit rund 75 000 Euro schlägt der Neubau des Zentrums zu Buche. Er wird von der NRW-Stiftung mit 59 500 Euro gefördert. Den Rest steuert der Imkerverein Rheine bei.