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Laumann mit 100 Prozent nominiert

Quelle: www.wn-online.de

Das verflixte siebte Mal

Kreis Steinfurt – „Das ist meine siebte Nominierung“ bemerkte Karl Josef Laumann (54) ganz nebenbei. Und fügte hinzu: „In der Bibel hat die Sieben ja eine besondere Bedeutung.“ In der Tat: Sieben Sünden, sieben Tugenden, der siebte Tag als Ruhetag, sieben fette und sieben magere Jahre – worauf genau er anspielte, ließ Laumann offen. Doch wenig später war zumindest eines klar: Die 53 Delegierten wählten ihn mit einem Ergebnis zum Landtags-Kandidaten der CDU im Wahlkreis 82, das jeden anderen direkt in den siebenten Himmel katapultiert hätte: keine Gegenstimme, keine Enthaltung, 100 Prozent Zustimmung.

Doch „Karl Josef“, wie sie ihn hier alle rufen, blieb auf dem Teppich. „Ich nehme die Wahl an“ und: „Wir Münsterländer werden einen richtigen Schub entwickeln“ – viel mehr an Euphorie war ihm nicht zu entlocken. Denn er weiß, dass es in seinem siebten Wahlkampf verflixt schwer wird, am 13. Mai, in knapp sieben Wochen, die rot-grüne Landesregierung abzulösen. Statt sich im Traum-Votum zu sonnen, munitionierte Laumann am Dienstag Abend in der Sinninger Gaststätte „Ruhmöller“ die Delegierten deshalb lieber mit handfesten Argumenten. Ganz oben: Die Schuldenproblematik. Das Experiment Minderheitsregierung sei in dem Moment gescheitert, als es kein zusätzliches Geld mehr auszugeben gab. Es werde eine Herkules-Aufgabe, es trotz des demografischen Wandels zu schaffen, dass der Landeshaushalt ab 2010 ohne neue Schulden auskomme. Alle Regierungen in Deutschland seien sich über eine Schuldenbremse einig – nur die rot-grüne NRW-Regierung halte dieses Ziel für falsch. Hannelore Krafts Idee einer „präventiven Finanzpolitik“ sei mit der Verfassung nicht vereinbar.

„Wir müssen einen Politik-Wechsel erzwingen“, forderte Laumann die Partei zum Kampf auf. Themenwechsel: NRW müsse ein Industrieland bleiben. Denn Wertschöpfung finde vor allem in der Produktion statt. Das Trauerspiel um das Kohlekraftwerk Datteln sei deshalb ein fatales Signal an Investoren. Er stehe zwar zur Energiewende, meinte Laumann, aber ohne Stein- und Braunkohle gehe es mittelfristig nicht. „Die Räte müssen wieder mehr zu sagen haben“ forderte Laumann eine stärkere Re-Kommunalisierung der Politik. Und natürlich geißelte er das neue Gemeindefinanzierungsgesetz, dass alleine seinem Wahlkreis in diesem Jahr 10,4 Millionen Euro entziehe: „Da können wir nicht gegen ansparen.“ Eine solche Politik gegen die Gemeinden sei auch eine Politik gegen die Bürger.

Scharf kritisierte Laumann Krafts Weigerung, einem ausgebauten FMO eine Nachtfluggenehmigung zu garantieren: „Dann wäre der Flughafen endgültig in den roten Zahlen.“ Und auch ein sechsspuriger Ausbau der A! zwischen Münster und Osnabrück sei zwingend notwendig. Als die Delegierten aus Emsdetten ein Bekenntnis zur umstrittenen Westumgehung einforderten und die aus Rheine zur Konversion, da tat das Laumann gerne – und erinnerte im Schnelldurchgang noch mal an vieles, das er als Minister für die Region habe tun können. Nach ein paar freundlichen Worten zu CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen („er denkt sehr viel nach“) dann die geheime Abstimmung: „Es gibt eine gute Chance für den Politikwechsel. Bis zur Wahl kann noch viel passieren.“

In der Tat, Nicht sieben, sondern gleich 53 Stimmen bekam Laumann auf einen Streich. Wenn das kein gutes Omen ist – für’s verflixte siebte Mal.