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Karl-Josef Laumann zu Gast im „Talk am Kamin“

Quelle: www.wn-online.de

Für´s Soziale in der Marktwirtschaft

Das Referentenhonorar zahlte Gastgeber Detlef Salomo (rechts) wie üblich auch an Karl-Josef Laumann in fair gehandelten Naturalien aus. Foto:

Das Referentenhonorar zahlte Gastgeber Detlef Salomo (rechts) wie üblich auch an Karl-Josef Laumann in fair gehandelten Naturalien aus. Foto:
(Thomas Niemeyer)



Lotte – Leiharbeit, Mindestlohn, Arbeitsmarkt, Berufsausbildung, Familienpolitik, Eurokrise – das sind nur einige Stichworte, die NRW-Oppositionsführer Karl-Josef Laumann im „Talk am Dienstag“ des evangelischen Männerkreises in Alt-Lotte abgearbeitet hat. Als Bundesvorsitzender der Sozialausschüsse der CDU betonte der Riesenbecker das Soziale in der Marktwirtschaft.

Typisch Laumann, hob er jedoch, bevor er sich den kritischen Punkten zuwandte, das Positive hervor: Die deutsche Wirtschaft brumme. „Wir haben heute den höchsten Stand an Beschäftigten und die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren“, stellte der 54-Jährige fest. Die Flexibilisierung am Arbeitsmarkt und Lohnverzicht der Arbeitnehmer hätten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte am Weltmarkt gestärkt. Parallel sei die Unternehmenskultur erheblich humaner geworden.

Leiharbeit und befristete Verträge seien für die Firmen sinnvoll, etwa um Auftragsspitzen abzufangen; sie dürften aber nicht die Regel sein, mahnte Laumann. Wenn gerade junge Leute von einer Befristung in die nächste fielen, fehle ihnen die notwendige Sicherheit für die Familiengründung, was letztlich auch der Wirtschaft schade.

Sichere Arbeitsplätze mit auskömmlicher Bezahlung seien die Basis für ein gutes Familienleben. Laumanns Basis für eine soziale Arbeitsmarktpolitik lautet daher: „Die Wirtschaft hat eine dienende Funktion für die Menschen.“ In jüngerer Zeit habe die Politik bei der Rahmensetzung etliche negative Auswüchse der Liberalisierung beseitigt.

Niedriglöhne habe es immer gegeben und werde es immer geben – in Deutschland vor allem im Dienstleistungsbereich, wo Frauen und Geringqualifizierte arbeiten. Dennoch trete er für einen bundeseinheitlichen Mindestlohn dort ein, wo es keinen Tarif gebe, sagte Laumann. Inzwischen tue er das auch mit Erfolg in seiner eigenen Partei.

„Entscheidend ist aber nicht die Höhe des Mindestlohns, sondern die Frage, wer ihn festlegt“, warnte er vor einem Wettlauf der Partien, wer den höchsten Betrag nenne. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften müssten dazu gezwungen werden, miteinander den Mindestlohn festzulegen. Das entspreche dem Grundsatz der Tarifautonomie.

Und die sei unverzichtbar für das erfolgreiche deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft, das nur aus dem christlichen Menschenbild heraus erklärbar sei. Das Denken seiner Erfinder, Ludwig Erhard und Alfred Müller-Armack, sei nicht zuletzt von Wilhelm Emmanuel von Ketteler, dem Gründer der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, geprägt worden. Danach komme menschlicher Arbeit eine besondere Würde zu. Sie dürfe nicht am freien Markt gehandelt werden, wo letztlich der im Wettbewerb gewinne, der die niedrigsten Löhne zahle. Prinzipien wie „gleicher Lohn für gleiche Arbeit in einer Region und Branche“ müssten in einer sozialen Marktwirtschaft gelten.

Doch Laumann wies auch nach, dass er nicht nur ein Sozialer, sondern eben auch ein Marktwirtschaftler ist: „Das kann auch dazu führen, dass der Mindestlohn ein Niedriglohn ist. Denn Löhne sind immer von der Wertschöpfung abhängig.“ Wer sie zu hoch ansetze, zerstöre letztlich Arbeitsplätze. Das hätten die deutschen Gewerkschaften verstanden und handelten danach.