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Podiumsdiskussion über deutsches Gesundheitssystem in Hopsten

Quelle: www.ivz-online.de , Antje Raecke

Hopsten. Es ist ein großes Thema, verwirrend, extrem umfangreich. Das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland in einer rund zweistündigen Podiumsdiskussion auf den Prüfstand zu stellen und mit Erläuterungen zur Sozialwahl zu verknüpfen, ist daher ein hehres Ziel. Die Kolpingsfamilie Hopsten und die KAB Hopsten wagten diesen Schritt am Mittwochabend trotzdem und luden in die Aula des Schulzentrums ein.

Georg Hupfauer

Georg Hupfauer


Josef Mersch, stellvertretender Vorsitzender des Kolpingwerkes im Kreisverband Steinfurt, hatte gemeinsam mit Christel Huil von der KAB die Organisation übernommen. „Krank! Hilf dir selbst… Oder zahlt die Kasse? Die Zukunft der solidarischen Krankenversorgung in Deutschland“ lautete der Titel, zu dem folgende Gäste diskutierten: Georg Hupfauer, Bundesvorsitzender der KAB Deutschland, Erika Streit, Spitzenkandidatin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) zum Verwaltungsrat der Techniker Krankenkasse sowie Rainer Engelmann, gesundheitspolitischer Sprecher des Kolpingwerkes Münster und Karl-Josef Laumann, ehemaliger Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen und jetzige CDU-Oppositionsführer im Landtag. Die Moderation lag in den Händen von Johannes Norpoth, Diözesansekretär und Geschäftsführer des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster.

Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann



Aufgeworfen wurden Fragen wie: „Wie steht es um unsere Krankenversicherung?“, „Bedeuten höhere Kosten auch eine bessere Qualität der Behandlung und Versorgung?“, „Ist Gesundheit heute eine Ware?“ und „Sind Kassenpatienten Patienten zweiter Klasse?“.

Erika Streit

Erika Streit



Nebenbei versorgte Josef Mersch die Zuhörer durch kleine Einspieler mit Informationen. So seien in Deutschland rund 90 Prozent der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten im Gesundheitswesen beliefen sich 2008 auf mehr als 263 Milliarden Euro. Pro Kopf seien das Ausgaben von 3210 Euro – nur für die Gesundheit. Mersch wie auch alle Podiumsgäste räumten schnell mit der „sozialromantischen Vorstellung“ auf, das Gesundheitssystem sei nur dafür da, um Gutes zu tun. Gerade dieser Sektor sei einer der stärksten Wirtschaftsfaktoren im Land.

Rainer Engelmann

Rainer Engelmann



Angesprochen auf die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen, dass Gesundheit zwar immer mehr koste, die Behandlungen aber schlechter werden, bezog Karl-Josef Laumann klar Stellung. „Wichtig ist vor allem die Qualität der medizinischen Versorgung“, sagte er. Und dank des sehr großen wissenschaftlichen Fortschritts sei die Medizin heute in der Lage, die Menschen besser denn je zu behandeln. Davon werde aber selten oder gar nicht gesprochen, wenn es um die Kosten gehe. Zudem gingen die größten Summen nach wie vor an Schwerstkranke: „Solange das so ist, haben wir mit diesem System nicht alles falsch gemacht.“

Johannes Norpoth

Johannes Norpoth
(Fotos: Antje Raecke)



Auf die Frage, wie es mit dem Gesundheitssystem in Zukunft weiterginge, antwortete Georg Hupfauer: „Prävention wird die Zukunftsaufgabe sein.“ Derzeit seien alle zu sehr darauf bedacht, die Schäden zu beseitigen, statt ihnen vorzubeugen. Rainer Engelmann befürwortete diesen Schritt zwar, sagte aber: „Es ist ein Irrglaube, dass die Kosten dadurch gesenkt werden.“ Zwar schaffe man so mehr Lebensqualität: „Aber auch ein gesunder Mensch kostet am Ende viel Geld.“