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36. Herrenabend: Das Wersener Krautvolk lässt sich vom „Sheriff“ das Feiern nicht verbieten

Quelle: www.wn-online.de

Einigkeit, Recht und Ordnung

Auch die Prominenz konnte ein Schnäpschen in Ehren nicht verwehren: Ministerpräsident David McAllister, Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler und Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode prosten sich zu.Fotos (11):

Auch die Prominenz konnte ein Schnäpschen in Ehren nicht verwehren: Ministerpräsident David McAllister, Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler und Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode prosten sich zu.Fotos (11):
(Heinrich Weßling)



Wersen – Ist jetzt Schluss mit lustig ? Das Wersener Krautvolk muss sich jedenfalls auf ein Jahr Recht und Ordnung einstellen. Denn mit Uwe Schünemann hat ein selbst ernannter „Sheriff“ die Macht übernommen, der durchgreift. Seine Untertanen zeigten sich am Freitag beim 36. Herrenabend einig: Auch das ist ein Grund zum Feiern.

Denn der niedersächsische Innenminister ließ auch wissen, dass er nun den Zenit seiner Karriere erreicht hat. „Und wenn es einen das Ministeramt kostet; der Krautkönig ist es wert.“

David McAllister, niedersächsischer Ministerpräsident und Krautkönig des Jahres 2005, lässt auf seinen CDU-Parteifreund und Kumpel Schünemann nichts kommen. Als „Macky“ und „Schüni“ machten die beiden zu Beginn ihrer landespolitischen Laufbahn Hannover unsicher. Sogar eine Wohnung teilten sich die beiden zeitweise. „Ich erspare ihnen Details. Wir wollen im Amt bleiben“, meinte McAllister in seiner Laudatio auf den neuen Regenten; „einen Freund der Polizei und aller anderen Sicherheitsdienste. Aber lieber ein harter Hund für law and order als ein Weichei für Unrecht und Unordnung“, stimmte McAllister die Männer im Saal auf klare Verhältnisse ein.

Und so machte sich der neue Krautkönig Adenauers Wahlspruch zu Eigen.: „Die einen kenn´ mich, die anderen könn´mich“.

Humor war auch dieses Mal beim Bürgerverein Wersen wieder Trumpf. Der große Ehrentisch war so prominent besetzt wie lange nicht, was auch daran lag, dass es dem Vorsitzenden des Bürgervereins Wilfried Freier gelungen war, mit McAllister, Schünemann und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) einen gewichtigen Teil der niedersächsischen Landesregierung zum Betriebsausflug nach Wersen zu animieren. „Gemeinsam etwas zu unternehmen, hält Beziehungen intakt“, meinte Bode zum Zustand der schwarz-gelben Koalition in Hannover.

Erstmals in der Geschichte der Herrenabende konnte Freier mit Dr. Philipp Rösler einen Bundesminister als Gast begrüßen. Der Krautkönig des Jahres 2006 scheint in Wersen jedenfalls deutlich beliebter zu sein als im Rest der Republik. Wann sonst wird Rösler schon mit stehenden Ovationen gefeiert. Dem Ruf nach Berlin habe er nicht widerstehen können, räumte er ein. Als Bundesgesundheitsminister könne er schließlich leben wie ein Linksparteivorsitzender: „Schöne Häuser, dicke Autos, Bahnhofviertel.“

Bei Karl-Josef Laumann hat der liberale Rösler allerdings Sympathien verspielt. Dass die FDP Steuersenkungen für Hotels durchgesetzt habe, hat ihn schließlich womöglich vergangenes Jahr das Amt des Arbeitsministers in Düsseldorf gekostet. „Davon profitieren sogar die Stundenhotels“, schimpfte der Oppositionsführer des NRW-Landtages. „Wenn man Geld hat, die Hotelsteuer zu senken, aber nicht weiß, wie man die Pflegeversicherung zahlen soll, kann man auch von Demenz sprechen“, meinte Laumann, der mit donnerndem Applaus als Krautkönig verabschiedet wurde.

Dabei gefiel besonders sein schon philosophischer Gedanke, wenn das Leben mit dem Tode begänne. „Sie bekommen eine goldene Uhr von ihrem Chef und fangen dann erst an zu arbeiten, aber ganz langsam.“ Mit sechs Jahren fliege der Mensch von der Schule, aber mit einer Tüte voller Süßigkeiten. „Und nachdem man neun Monate in der Gebärmutter gedümpelt hat, endet das Leben mit einem Höhepunkt.“

„Wenn du diese Rede vor einem Jahr gehalten hättest, hättest du deutlich mehr Stimmen in Wersen bekommen“, frotzelte Ernst Schwanhold (Krautkönig 2001), der dieses Mal den kurenden Constantin Freiherr von Heereman vertrat und das Schlusswort sprach. Der Baron hatte wenigstens eine Grußbotschaft übermittelt: „Wenn eine Sau ergraut, ist sie ein altes Schwein. Wenn einer Sauerkraut isst, muss er das noch lange nicht sein.“