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Sowas hat der Minister noch nie erlebt – Röttgen genießt Jubel in Recke

Quelle: www.ivz-online.de

Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen bei seiner Rede in Recke.

Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen bei seiner Rede in Recke.
(Foto: Daniel Lüns)



Recke. „Das hat sich für mich schon gelohnt, das habe ich noch nie erlebt“, zeigte sich Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen beeindruckt von dem warmen Empfang, den er beim Einzug in das mit gut 2000 CDU-Anhängern besetzte Festzelt am Recker Hallenbad erfuhr. „Das ist mein erster Politischer Aschermittwoch“, bekannte der Hauptredner des Abends der CDU des Kreises Steinfurt, den die Recker Ortsunion ausrichtete.

Befeuert von der Atmosphäre zog Röttgen dann alle Register. Der ansonsten als sachlich und besonnen bekannte Politiker zog kräftig vom Leder. Langer Applaus war ihm nach seiner Rede gewiss.

Die rheinische Vorstellung von dem „Westfalen“ werde immer wieder in Frage gestellt, gab Röttgen gerne zu. Mit einem dieser Westfalen arbeite er nun intensiv zusammen. Mit Karl-Josef Laumann verbinde ihn „wechselseitige unbedingte Zuverlässigkeit“, schwärmte der Umweltminister. Ethische Standards seien ihnen wichtig: „Politik ist keine moralfreie Zone.“

Danach machte er sich über die Landesregierung her. In einem dreiviertel Jahr habe diese Landesregierung gerade mal die Kopfnoten abgeschafft. „Eine armselige Leistung.“ Die hemmungslose Verschuldung – eine „Versündigung an der nächsten Generation“, die Einheitsschule auf Kosten der Vielfalt, und das Gemeindefinanzierungsgesetz – „das muss vom Tisch“ – waren seine weiteren Themen.

Hermann Berentelg, Vorsitzender der CDU Recke, hatte eingangs das Publikum und die politischen Akteure willkommen geheißen und beschrieb die aktuelle politische Großwetterlage: „Der CDU weht zurzeit ein kräftiger und kalter Wind von vorne ins Gesicht.“

Anschließend hatte Christina Schulze Föcking, Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende, gesprochen. Sie wusste, was das Publikum „der größten Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch nördlich des Mains“ von den politischen Akteuren erwartet und etikettierte die Politik der rot-grünen Landesregierung mit den Stichworten Unvernunft, soziale Ungerechtigkeit und finanzielle Misswirtschaft.

Sie bescheinigte dem Finanzminister „Dyskalkulie“, nannte den Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr „heillos überfordert“ und kanzelte die Umwelt- und die Landwirtschaftspolitik der Landesregierung ab.

Mit großem Jubel begrüßte das Publikum den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag und ehemaligen Kreisvorsitzenden Karl-Josef Laumann, für den dieser Politische Aschermittwoch alljährlich ein Heimspiel ist. Er bedauerte sehr, dass er nicht mehr in der Regierung ist. Das sei die schmerzlichste Erfahrung seines Lebens gewesen. Er warb dafür, in Zukunft mehr auf den Menschen zu achten.

Seine Themen waren die Ausbildung und Förderung von Kindern entsprechend ihrer Begabung. Es sei ein Verbrechen der aktuellen Regierung, mehr Schulden zu machen, als es das Grundgesetz erlaubt.

Reckes Bürgermeister Eckhard Kellermeier hatte die aktuelle Diskussion um die Reform des Gemeindefinanzierungsgesetzes angesprochen. Er brach im Interesse der Versorgungssicherheit erneut eine Lanze für den Fortbestand des heimischen Steinkohlebergbaus. Wenn jedoch der Strukturwandel gewollt sei, „dann müssen die Kommunen auch in die Lage versetzt werden, diesen bewältigen zu können“.. Kellermeier: „Schwächen Sie die Kommunen nicht weiter, sondern stärken Sie diese.“

Ein Video gibt es im Laufe des Tages bei mazzTV.

Und schließlich trieb den Bürgermeister noch ein anderes Thema um: „Wie weit sind wir in unserer Gesellschaft schon gekommen, dass wir uns im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren darüber Gedanken machen müssen, ob Einrichtungen für Kinder, also Kindertagesstätten oder Spielplätze, in Wohngebieten errichtet werden dürfen. Ich frage Sie alle hier im Raum, wo denn sonst als mitten in der Gesellschaft sollen unsere Kinder aufwachsen?“