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TENNENGERICHT – Quintett auf der Anklagebank

Quelle: www.wn-online.de

 

Videobeitrag auf www.wn-online.de

Münster – Da sage noch jemand etwas gegen die verbindende Kraft des Karnevals. An eine Handschelle gekettet schlurften die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann und der schwarze Fraktionsvorsitzende Karl-Josef Laumann in den ­Paohlbürgerhof und nahmen einträchtig nebeneinander Platz.
„Man könnte meinen, ihr säßet nicht vor dem Tennengericht, sondern bei Koalitionsverhandlungen“, stichelte Staatsanwalt Armin Halle. Die Solingerin mit der scharfen Zunge verschonte nämlich ihren Nebenmann mit verbalen Attacken und platzierte stattdessen ein Friedensangebot. „Ich erkläre Laumann zum Nord-Süd-Beauftragten des Münsterlandes und schließe mit ihm den Münsteraner Schulfrieden.“

So befreite sie sich geschickt von der bedrückenden Last der Anklage, mit ihrem Gemeinschaftsschulen-Vorstoß die Schullandschaft in NRW zu zerstören und auch den Karneval in Köln nach westfälischem Muster zu revolutionieren. „Den Vorwurf weise ich entschieden zurück. Das wäre so, als ob man einen Hund zum Vegetarier machen oder Guido Westerwelle Demut beibringen könnte.“

Vor dem Tennengericht (v.l.): Kabarettist Dr. Ludger Stratmann, Ex-Karnevalsprinz Rolf Jungenblut, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Landtagsmitglied Karl-Josef Laumann und TV-Moderator Carlo von Tiedemann.Fotos:

Vor dem Tennengericht (v.l.): Kabarettist Dr. Ludger Stratmann, Ex-Karnevalsprinz Rolf Jungenblut, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Landtagsmitglied Karl-Josef Laumann und TV-Moderator Carlo von Tiedemann.Fotos:
(Oliver Werner)



Einen Freispruch erzielte am Ende auch Karl-Josef Laumann, Mitglied des Landtages, und laut Anklage der Mustermann der Laumänner, „der mal offen, mal konspirativ seine politischen Ziele verfolgt“. Dabei „ist der Mann gar nicht schuldfähig“, warb Verteidigerin Ulrike Tasic, die sich als TV-Richterin Salesch einen Namen gemacht hat. „Laumann hat politische Ambitionen in den Genen – der ist determiniert.“ Laumann selbst setzte auf Mitleid: „Als Westfale im Rheinland arbeiten zu müssen, ist schon Strafe genug.“ Um das Gericht milde zu stimmen, tischte er Eier und Mettwürstchen auf.

Fernsehmoderator Carlo von Tiedemann, der als Bestechungsgeschenke Holstenbier („das knallt am dollsten“) und Aal präsentierte, brachte Richter Enrico Kahl geschickt in Verlegenheit. „Mit unserem gemeinsamen Konto in der Schweiz ist alles in Ordnung.“ Letztendlich nutzte ihm der Schachzug nichts. Vier Wochen muss er nun mit Staatsanwalt Armin Halle aufs Segelschiff.

Dagegen schiffte sich Kabarettist Dr. Ludger (Jupp) Stratmann mit flotten Ruhrpottsprüchen („die wahre Sprache der Deutschen“) in sicheres Gewässer und erntete einen Freispruch.