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Tennengericht der KG Paohlbürger: Scharfe Zunge auf der Anklagebank

Quelle: www.muensterschezeitung.de

MÜNSTER Sylvia Löhrmann, grüne Landesministerin für Schule und Weiterbildung, und Karl-Josef Laumann, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, gemeinsam auf der Anklagebank. Wo gibt es so etwas? Momentan nur beim Tennengericht der Paohlbürger.

Punkt 13.11 Uhr läutet im Paohlbürgerhof am Sonntag die Glocke. Der Gerichtsdiener in preußischer Uniform ruft den Saal zur Ruhe. Marschmusik ertönt. Sylvia Löhrmann und Karl-Josef Laumann werden in Handschellen zur Anklagebank geführt. Ebenfalls vor dem närrischen Gerichtshof angeklagt sind Fernsehmoderator Carlo von Tiedemann, Kabarettist Ludger „Jupp“ Stratmann und Rolf Jungenblut, der Präsident des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval.

Auch wenn zum Schluss immer alle freigesprochen werden: Das Tennengericht der Paohlbürger gilt als unerbittlich. Richter und Anwälte betreten zur Musik aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ den Gerichtssaal. Ulrike Tasic, bekannt aus der TV-Sendung „Richterin Barbara Salesch“, verteidigt die Angeklagten. Vorsitzender Richter ist Sparda-Bank-Chef Enrico Kahl, Journalist Armin Halle gibt seit Jahrzehnten den leitenden Oberstaatsanwalt. Er liest die gnadenlosen Anklageschriften vor.

Gnadenlos? Jedenfalls nicht für Laumann. „Bei so vielen guten Taten fällt es schwer, wirkliche Sünden aufzudecken“, sagt der Oberstaatsanwalt. Der Richter möge sich etwas ausdenken. Laumann selbst ist sich keiner Schuld bewusst. „Jeder, der Münster im Rheinland vertritt, sollte Straffreiheit genießen, denn der ist schon gestraft genug“, plädiert der Ex-Minister für Milde. „Wir Münsterländer können gar nicht alles halten, was die Rheinländer versprechen. Vom Münsterland geht Seriosität aus, vom Rheinland Leichtfüßigkeit.“

Die Klageschrift für Sylvia Löhrmann ist deutlich schärfer. Sie richte sich mit ihrer These vom gemeinsamen Lernen gegen die bewährte Klassengesellschaft – und damit das Schulwesen zugrunde. „Wenn Männer wie Laumann und Röttgen in eine Partei passen, dann können doch auch deren Kinder in die gleiche Schule gehen“, verteidigt die Ministerin ihr Projekt. Sie wolle den großen westfälisch-rheinländischen Schulfrieden – mit Laumann.

Als letzter Angeklagter hat Jupp Stratmann seinen Auftritt. Und der hat es in sich. Oberstaatsanwalt Halle offenbart Schwächen bei der Aussprache von Fremdwörtern beim Verlesen der Anklage. Eine perfekte Vorlage.

Jupp macht’s dreimal

„Hier soll ein Exempel stationiert werden. Wenn das so weitergeht, lasse ich den ganzen Saal ejakulieren“, klagt Stratmann. Da haben die ersten Paohlbürger bereits Tränen in den Augen. Nach der dritten Zugabe sieht man im Saal etliche nach Luft schnappen, ihre Gesichter vom Lachen in tiefstes Rot gefärbt. Einige tragen wahrscheinlich blaue Flecken vom Schenkelklopfen davon.  

Heimspiel für Laumann