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NRW-CDU rückt vorsichtig von Hauptschule ab

Quelle: www.muensterschezeitung.de

Düsseldorf Die NRW-CDU rückt unter ihrem neuen Vorsitzenden Norbert Röttgen vorsichtig von der Hauptschule ab. Für diese Schulform könne es wegen des deutlichen Schülerrückgangs und der in vielen Teilen des Landes fehlenden Akzeptanz bei den Eltern keine Garantie mehr geben, sagte Röttgen am Dienstag nach einer Sitzung des Landesvorstands in Düsseldorf.

Die Hauptschule muss sich dem Wettbewerb stellen“, betonte der Bundesumweltminister. Wo sie sich „auf dem Markt“ behaupte, habe sie aber weiter eine Existenzberechtigung. Deshalb wolle die CDU die Hauptschule auch nicht abschaffen.

Der Landesvorstand verabschiedete einen Leitantrag für den CDU- Bildungsparteitag im März. Darin spricht sich die CDU-Führung für behutsame Korrekturen am Schulsystem aus. So soll das Zusammengehen von Haupt- und Realschulen zu sogenannten Verbundschulen erleichtert werden. Damit will die CDU erreichen, dass überall im Land auch künftig der Hauptschulabschluss angeboten werden kann. „Wir garantieren den Abschluss, nicht die Schulform“, sagte Röttgen.

„Angebot für Schulfrieden in NRW“

Das neue CDU-Konzept sei „ein faires, ehrliches Angebot für einen Schulfrieden in Nordrhein-Westfalen“, sagte Röttgen. Mit der Neuausrichtung bei der Hauptschule rücke die CDU von ihren bisherigen Positionen ab. „Das ist nicht identisch mit dem, was in unserem Wahlprogramm stand.“ Jetzt sei es an SPD und Grünen, auf die CDU zuzugehen. CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann sagte:„Wenn sich die andere Seite genauso bewegt wie wir, gibt es eine reelle Chance für einen Schulfrieden.“

Ihr neues Schulkonzept stellt die CDU der von Rot-Grün entwickelten Gemeinschaftsschule entgegen. In diesem Modell sollen alle Schüler zumindest bis zur sechsten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Dazu heißt im Leitantrag der CDU:„Es gibt keinen Beleg dafür, dass gemeinsamer Unterricht aller Kinder in der selben Schulform dem Unterricht in einem differenzierten Schulwesen überlegen ist.“ Die schulpolitische Strategie der rot-grünen Landesregierung sei unverantwortlich.

Um die Schulvielfalt zu erhalte, setzt die CDU auf wohnortnahe, kleine Schulen. Für die Neugründung von Gymnasien will die CDU nicht mehr die Dreizügigkeit zur Bedingung machen. Künftig sollen auch neue Gymnasien mit nur zwei Zügen genehmigt werden. Dagegen sollen neue Gesamtschulen ausreichende Schülerzahlen für vier Züge nachweisen müssen. Wo sie die Existenz von Realschulen oder Gymnasien gefährden, sollen keine neuen Gesamtschulen gegründet werden dürfen.

Klassengröße senken

Die durchschnittliche Klassengröße will die CDU schrittweise auf 20 Schüler in Grund- und Hauptschulen sowie auf 24 in Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien senken. Derzeit liegt der Richtwert für die Klassengrößen bei Grund- und Hauptschulen bei 24 Schülern, bei den anderen Schulformen der Sekundarstufe I bei 28 Schülern.

Kinder sollen nach dem Konzept der CDU früher mit dem Lernen beginnen. Dazu will sie ein Lernjahr einführen, das vor der Einschulung von Kindergarten und Grundschule gemeinsam organisiert wird. Die Teilnahme an dieser „Vorschulen“ soll Pflicht werden und nichts kosten. Nach Angaben von Laumann lassen sich kleinere Klassen und bessere Förderung in den kommenden Jahren durch die Einsparungen aus den rückläufigen Schülerzahlen finanzieren.

„Kein großer Wurf“

Bei der CDU gebe es etwas Bewegung in der Schulpolitik, das neue Konzept sei aber kein großer Wurf, kommentierte Grünen-Landeschef Sven Lehmann den Leitantrag. „Es reicht nicht, Verbundschulen auch in Städten zu ermöglichen oder die Gesamtschule nicht mehr zu bekämpfen.“

Kritik kam auch von FDP-Generalsekretär Joachim Stamp:„Das CDU- Papier greift zu kurz.“ Schulvielfalt lasse sich nicht allein über vereinfachte Genehmigungen von Verbundschulen erreichen. Die FDP setze neben starken Gymnasien auf eine Mittelschule, in der sich Haupt- Real- und Gesamtschulen zusammenschließen könnten.