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Die ganze Partei steht hinter ihr

Quelle: www.wn-online.de

Alles lief nach Plan: Karl Josef Laumann überreicht der neuen Kreisvorsitzenden Christina Schulze Föcking einen Blumenstrauß und gratuliert zum Traumergebnis von 160 oder 98 Prozent der Delegiertenstimmen.Fotos:

Alles lief nach Plan: Karl Josef Laumann überreicht der neuen Kreisvorsitzenden Christina Schulze Föcking einen Blumenstrauß und gratuliert zum Traumergebnis von 160 oder 98 Prozent der Delegiertenstimmen.Fotos:
(Achim Giersberg)



Lienen/Kreis Steinfurt – 160 mal Ja, nur vier Neins: Ein echtes Traumergebnis. „Das passiert nicht oft: Ich bin sprachlos“ sagt Christina Schulze Föcking. Die neue CDU-Kreisvorsitzende, 33 Jahre jung, Landwirtin aus Steinfurt und seit Mai Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, ist an diesem Freitagabend im Lienener „Haus Mittmann“ nur kurz aus dem Konzept gebracht. Sie strahlt, lächelt, freut sich – und findet schnell die Worte zurück: „Das zeigt, wie sehr ihr hinter mir steht und macht den Wechsel leichter.“ Karl Josef Laumann ist natürlich erster Gratulant. „Ich freue mich riesig, dass Du meine Nachfolgerin bist“ ruft er in den Saal, kann sich eine kleine Mahnung nicht verkneifen: „Pass auf die CDU auf wie auf deinen Bauernhof.“

Eine Überraschung ist ihre Wahl nicht – es gibt keinen anderen Bewerber. Dass sie Laumanns Wunschkandidatin ist, wissen alle. Ihre Bewerbungsrede vor der Wahl ist kurz. „Sehr geehrt“ habe sie sich gefühlt, als sie gefragt worden sei, habe aber auch gezweifelt, denn: „Die Schuhe sind sehr groß.“ Lange habe sie überlegt, schließlich, unterstützt von der Familie, sich entschlossen „diese große Herausforderung anzunehmen.“ Sie wisse, dass es Vorbehalte gebe, weil sie jung und eine Frau sei, aber: „Ich bin gerne Frau und will das auch nicht ändern.“ Und: „Karl Josef war noch nicht mal 30, als er den Vorsitz übernahm“. Eine schlagkräftige Partei wünsche sie sich, eine, die mehr junge Leute anzieht, eine diskussionsfreudige Partei, keinen Abnickverein, ein starkes Team, das sie als „primus inter pares“ unterstütze. „Schenken sie mir ihr Vertrauen“ wirbt sie, mit Erfolg: Von Null auf 160!

Zuvor hatte Laumann in einer Grundsatzrede die Lage der Partei analysiert und seine politischen Grundsätze beschworen, als wolle er sie seiner Nachfolgerin für alle Fälle nochmal dick ins Stammbuch schreiben. „Die CDU ist eine Partei, die nicht dem Einzelnen, sondern dem Gemeinwohl verpflichtet ist“. ist für Laumann ein solcher Marken-Kern, ebenso das „christliche Wertegerüst“, ohne das CDU-Politik für ihn „nicht vorstellbar“ sei. Aber Laumann erinnert auch an einfache Wahrheiten: „Ein guter Politiker muss schlicht die Menschen leiden können“, gibt Ratschläge („Man darf bei Wahlen nie mehr versprechen, als man halten kann.“) und redet Klartext: „Steuersenkungen auf Pump sind unmoralisch.“

Die Lage der Kreis-CDU beschreibt er als gut: „Wir sind im Kreis nach wie vor eine richtig starke Volkspartei.“ Ein Durchschnittsalter von 60,3 Jahren und ein stagnierender Frauenanteil von rund 24 Prozent – bei den Mandatsträgerinnen sei er jüngst sogar auf 18,6 Prozent gesunken – seien zwar weder für die CDU noch den Kreis spezifisch, verlangten aber trotzdem nach Lösungen. Eine davon: „Wir müssen brennen für die CDU und mit unserer Begeisterung andere anstecken.“ Gerne erinnert sich Laumann an alte Zeiten, als er mit Engelbert Rauen die JU aufgemischt und allerhand „Dinger“ gemacht habe. Man merkt ihm die Emotionen an, als er schließlich endet: „Schönen Dank für die Jahre, die ich hier hatte“.

Minutenlanger Beifall ist da Pflicht und kommt tief aus dem Herzen der Kreis-Partei. Engelbert Rauen nennt den anstehenden Wechsel „eine Zäsur in der Geschichte des Kreisverbandes“ und holt dann aus zu einer beeindruckenden Laudatio, erinnert an Karrierestationen, zählt Laumann zu den „Top 20“ der CDU Deutschlands, nennt ihn einen „Glücksfall für den Kreisverband und Deutschland“, beschreibt ihn als zuverlässig, ehrlich, uneitel, kämpferisch, mit dem Blick fürs Wesentliche und großer Nähe zu den Menschen, dankt ihm für seine Standhaftigkeit und dafür, „dass Du einer von uns geblieben bist.“

Was passt da als Geschenk besser als eine westfälische Eiche? Die, die Rauen überreicht, ist vier Meter groß, passt kaum in den Saal und soll in Karl-Josefs Garten in Birgte Wurzeln schlagen.

VON ACHIM GIERSBERG, STEINFURT