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Caritas-Kinderheim: Extreme Kostensteigerung in der Jugendhilfe

Quelle: www.muensterschezeitung.de

RHEINE  Schwere Misshandlungen, Traumata, sexuelle Überwältigungen – die Mitarbeiter des Caritas-Kinder- und Jugendheims an der Unlandstraße kämpfen täglich für die Genesung der jungen Opfer. „Wir sind auf den Kindesschutz bei Misshandlungen spezialisiert. Es herrscht eine große Anfrage“, so Heimleiter Norbert Dörnhoff.

Martin Janning (l.) und Norbert Dörnhoff (2.v.l.) informierten die CDU-Politiker Karl-Josef Laumann (3.v.l.), Monika Lulay und Nicolas Fays über das Caritas-Kinderheim. (Foto: Miriam Daschty)

Er skizzierte damit ein gesellschaftliches Problem, das vor allem von der Jugendhilfe aufgefangen werden muss. Besonders alarmierend: Die Zahlen der Kinder, die im ambulanten Heim-Bereich aufgenommen werden, hätten sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Karl-Josef Laumann zu Besuch

„Damit sind auch die Kosten der Jugendämter besonders stark angestiegen“, so Dörnhoff Dienstag beim Besuch von Karl-Josef Laumann, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.
Der Ex-NRW-Arbeitsminister fand beim Thema Jugendhilfe deutliche Worte: „Wir haben im Kreis Steinfurt eine Kostensteigerung von bis zu 60 Prozent und keine politische Möglichkeit, gegenzusteuern. Die Jugendhilfe kann nicht allein kommunale Aufgabe bleiben. Der Bund muss den Kommunen mehr Geld geben.“

Die Frage von Nicolas Fays, stellv. Vorsitzender der CDU Rheine, woher der Bund dieses Geld nehmen solle, konnte Laumann nicht beantworten. Wichtig sei für ihn aber, dass die Standards weder im Bereich der Jugendhilfe noch bei der Altenpflege gesenkt würden.

Unterbringung von Kleinkindern

Solch eine etwaige Senkung des Standards in der Kinderbetreuung beschrieb Dörnhoff: Das Landsjugendamt NRW beabsichtigte, die Unterbringung von Vorschulkindern nur noch in Pflegefamilien und nicht mehr in Heimen durchzusetzen. Dies kritisierten die Caritas-Mitarbeiter scharf.

„Traumatisierte Kinder haben erfahren, dass Eltern ihnen schaden“, so Martin Janning, Leiter des Psychologischen Diensts. Im Heim hätten die Kinder Chancen auf Entlastung, würden nicht überfordert: „Die Beziehungen sind nicht so eng wie in einer Familie; hier kann der Trauerprozess stattfinden.“

Fall Kevin rüttelte wach

Martin Lengemann vom LWL-Landesjugendamt in Münster betonte hingegen, dass es seit dem Fall Kevin 2006 eine eklatante Zunahme von Kindern in Heim-Gruppen gebe. „Wir wissen aus Studien, dass das, was im normalen Gruppenkontext passiert, mit Neunergruppen im Schichtdienst, für die Kinder nicht hilfreich ist.“
Die Kleinstgruppen in Rheine bewertete er aber positiv.

Ob Kleinkinder zukünftig tatsächlich nicht mehr in Heimen untergebracht werden, ist bisher noch unklar. Deutlich wurde jedoch, dass trotz der konträren Meinungen sowohl Caritas als auch Amt vor allem das Wohl ihrer Schützlinge im Blick haben.