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Kommentar von Achim Giersberg, Westfälische Nachrichten

 

DIE SCHWIERIGE LAUMANN-NACHFOLGE
Es rüttelt im Karton

Nein, die 13. Wiederwahl wollte er sich nicht mehr antun. Es ehrt Karl Josef Laumann, dass er das wichtige politische Amt des CDU-Kreis-Vorsitzenden nicht als Erbhof versteht und neuen Kräften eine Chance geben will. Doch warum gerade jetzt?

Natürlich hat das weniger mit der 13 als mit dem neuen Stress-Job als Fraktionschef in Düsseldorf zu tun. Und sicher auch mit der Hoffnung auf „neue Impulse“. Aber wohl auch damit, dass der heimatliche Kreisverband für Laumann längst nicht mehr nur Kraftquell und stärkender Rückhalt war. Sein Wort vom nur „zufriedenstellenden“ Zustand der Kreis-Partei deutet das an. Da sind die generellen Probleme von Überalterung und Politikverdruss, die alle Parteien treffen. Aber eben auch hausgemachte. Wer die „ehrliche Haut“ Laumann kennt, weiß, wie sehr ihn die bundesweit diskutierte Affäre um den falschen Doktortitel und den verweigerten Rücktritt des CDU-Bundestagsabgeordneten Dieter Jasper mitgenommen und geärgert hat. Was da alles hinter den Kulissen gelaufen ist – nur er weiß es wirklich.

Wie auch immer. Nach 25 Jahren – in der Mehrzahl sehr erfolgreichen Jahren – hat Laumann jedes Recht der Welt, nun die Verantwortung an andere abzugeben. Doch sind da wirklich so viele potenzielle Nachfolger wie er behauptet?

Dieter Jasper, unter anderen Umständen eine erste Wahl, scheidet natürlich gänzlich aus. Neben ihm verfügt die frisch gewählte Landtagsabgeordnete Christina Schulze-Föcking über einen professionellen Mitarbeiter-Apparat, der die Arbeit einer Kreis-Vorsitzenden sicher erleichtern würde. Auch vom Alter würde sie passen – und indirekt hat Laumann sie ja auch ins Spiel gebracht.

Aber hat sie wirklich bereits das politische Gewicht, um den fünftgrößten CDU-Kreisverband in NRW zu führen? Wohl kaum. Auch der Europaabgeordnete Dr. Markus Pieper oder Landrat Thomas Kubendorff hätten das Potenzial, die Partei zu führen. Aber wollen sie und will die Partei sie? Beides ist höchst ungewiss. Wer bleibt da noch?

Die nächsten Wochen werden also spannend. Für einen wie Karl-Josef Laumann, der schon heute als „politisches Urgestein“ gilt, einen Nachfolger zu finden ist naturgemäß ziemlich schwierig. Aber irgendwann musste es ja sein und wahrscheinlich hat Laumann recht, dass jetzt die richtige Zeit dafür ist.

Die Partei ist im Umbruch, es rüttelt und schüttelt sie kräftig durch. Charaktere, die sich davon nicht erschrecken lasen, sind gefragt. Im Land und jetzt eben auch im Kreis.