Suche
Suche Menü

Laschet und Laumann konkurrieren um CDU-Fraktionsvorsitz

Quelle: Westfälische Nachrichten
Düsseldorf – Nach dem Verzicht von Rüttgers´ „Feuerwehrmann“ Andreas Krautscheid auf eine Kandidatur zum CDU-Fraktionschef ist das Duell zwischen den Noch-Ministern Karl-Josef Laumann und Armin Laschet eröffnet. In der CDU-Fraktion begründete Krautscheid seinen Rückzug: „Mein Job liegt in der Führung der Partei.“

CDU-Kreise sehen in dem Schritt einen strategischen Schachzug für die Nachfolge von Jürgen Rüttgers im CDU-Landesvorsitz im Frühjahr 2011. Bis dahin will der agile Krautscheid die nach der schweren Wahlschlappe angeschlagene Landespartei neu aufstellen und für den nächsten Wahlkampf fit machen. Damit könnte Krautscheid in die Rolle des Kronprinzen und Spitzenkandidaten schlüpfen.

Karl-Josef Laumann beim Besuch unserer Zeitung.

Karl-Josef Laumann beim Besuch unserer Zeitung.
(Foto: Gunnar A. Pier)



In der CDU-Fraktion forderte Rüttgers mehr Geschlossenheit der Partei. „Es macht mich unruhig, dass es Leute gibt, die mit beachtlicher Energie das Gegenteil machen“, schäumte Rüttgers über Indiskretionen aus dem engeren CDU-Vorstand. „Die müssen wissen, was sie tun.“

Rüttgers sieht sich von „Büchsenspannern“ in der Partei in ein falsches Licht gerückt. So sei gestreut worden, dass er nach Ämtern gegriffen hätte. „Ich habe selbst auf den CDU-Fraktionsvorsitz und eine Kandidatur gegen Kraft verzichtet.“ Rüttgers nennt es eine Frage des Stils, dass ein Ministerpräsident nicht später Oppositionsführer wird.

Der CDU-Chef wirkt genervt, als er die Fraktionssitzung verlässt. Er hat der Fraktion angeboten, den Übergang in der Partei zu steuern. Einzelne wundern sich, dass Rüttgers auch nach dem Wahldesaster allein die Richtung vorgeben will. Abgeordnete berichten nach der Sitzung vom Unmut der Basis über die CDU-Führung in Düsseldorf. Eine Palastrevolution aber findet nicht statt. Die CDU braucht Rüttgers als Moderator.

Der CDU-Landeschef weiß längst, dass er nicht der nächste Spitzenkandidat sein wird. Rüttgers Favorit heißt Krautscheid. Intern macht sich der CDU-Chef für Karl-Josef Laumann als Fraktionschef stark. Der Mann aus dem Münsterland hegt keine Ambitionen auf eine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten. Dann könnte Krautscheid bei Neuwahlen als Spitzenkandidat einspringen. Bei Armin Laschet sähe das anders aus. Dass der ehrgeizige Familienminister nach der Wahlpleite verlangte, die CDU müsse auch „über Köpfe reden“, hat Rüttgers gewurmt.

Die Wahl des CDU-Fraktionschefs wird auf den 6.Juli gelegt. Das passt gut: Schließlich haben die Ex-Minister Laumann und Laschet erst ab dem 23.Juni ihre Ministerpension nach fünf Amtsjahren sicher. Da muss die Handlungsfähigkeit warten. Mit 63 von 65 Stimmen votiert die CDU-Fraktion für Eckhard Uhlenberg als nächsten Landtagspräsidenten. Die Forderung des Junge-Union-Landeschefs Sven Volmering nach einer gründlichen Analyse der verlorenen NRW-Landtagswahl findet nicht statt.

In der CDU-Fraktion gilt die Wahl des Fraktionsvorsitzenden als Signal für den künftigen Kurs der Landespartei. „Arbeiterfürst“ Karl-Josef Laumann ist der wertkonservative Vertreter des linken Parteiflügels. Laschet repräsentiert die moderne CDU mit neuen Ansätzen in der Integrationspolitik. Der Aachener könnte die CDU für eine spätere Koalition mit den Grünen öffnen.

VON WILFRIED GOEBELS, DÜSSELDORF