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Klartext ohne Kompromisse

Quelle: Westfälische Nachrichten

Minister Karl-Josef Laumann präsentierte sich einmal mehr als Mann klarer Worte. Rund 70 Zuhörer waren fasziniert von seiner politischen Analyse, darunter auch Astrid Birkhahn, die sich in der Veranstaltung als heimische Landtagskandidatin präsentierte und ihre Positionen zu den Bereichen Bildung und Landwirtschaft aufzeigte.Foto:

Minister Karl-Josef Laumann präsentierte sich einmal mehr als Mann klarer Worte. Rund 70 Zuhörer waren fasziniert von seiner politischen Analyse, darunter auch Astrid Birkhahn, die sich in der Veranstaltung als heimische Landtagskandidatin präsentierte und ihre Positionen zu den Bereichen Bildung und Landwirtschaft aufzeigte.Foto:
(Meyer)



Everswinkel – Der Mann ist geerdet. Keiner der Phrasendrescher aus Berlin oder Düsseldorf, die gerne viel reden und wenig sagen. Wenn Karl-Josef Laumann den Mund aufmacht, kommen nicht wie bei manchem anderen Polit-Profi politische Seifenblasen heraus. Der Riesenbecker hat sich den unzweifelhaften Ruf erarbeitet, Klartext zu reden und die Sprache der Bürger zu sprechen. Ein Mann aus der Mitte. Und das wird er auch bleiben. Auch nach dem 9. Mai. Mit Platz vier auf der CDU-Landesliste ist Laumann die Fortsetzung seiner Landtagskarriere sicher. Ob es auch wieder für ein NRW-Regierungsmandat reicht? Ginge es nach den fast 70 Zuhörern, die Laumann bei der CDU-Gemeindeverbandsversammlung am Donnerstagabend im Gasthof Arning begeistert an den Lippen klebten, bliebe der Mann auch für die nächsten fünf Jahre Minister.

Der 52-jährige Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Essen und Trinken in gemütlicher Runde als Vorliebe bezeichnet, langte am Freitagabend ordentlich zu. Weniger beim Flüssigen und mehr beim Verbalen. Als gelernter Maschinenschlosser weiß er, wovon er spricht, wenn er über das weite Feld Arbeitsmarkt spricht. „Das Wissen überholt uns immer schneller. Wenn Sie heute drei bis vier Jahre aus dem Beruf gehen, ist das Wissen abgehauen, als wären Sie zehn Jahre weg gewesen“, hob er auf die völlig veränderten Rahmenbedingungen ab. „Von psychischen Erkrankungen oder Burn-Out-Syndrom hat man in den 70er Jahren doch nichts gehört.“

Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zeigte Laumann deutlich auf: Gewandelte Ansprüche ans Erziehungs- und Betreuungssystem, noch mehr Konzentration auf Bildung und Ausbildung. Mehr staatliche Verantwortung und mehr staatliches Geld für die Bildung. 8 000 neue Lehrerstellen seien geschaffen worden. Aber: Das bedeute auch 8 000 neue Löhne, die zu zahlen seien. NRW müsse bei der Verkleinerung des Staatsdienstes am Ball bleiben. Während die CDU geführte Regierung dies schon längst praktiziere – Beispiel Versorgungsverwaltung mit der Einsparung von 2 000 Stellen – sei die SPD nicht bereit, in anderen Personalbereichen zu sparen. „Politik mit Geld machen können nur die Sozialdemokraten, Politik ohne Geld machen können nur wir.“

Laumann warb leidenschaftlich für die Fokussierung auf den Bereich Bildung und Ausbildung. „Wenn wir es nicht hinkriegen, dass Kinder eine anständige Ausbildung bekommen, werden wir unseren Wohlstand verlieren“, mahnte er. Zu wirtschaftlichem Erfolg gehöre eine „verdammt gut ausgebildete“ Bevölkerung, und die Nachfolgegeneration warte schon – in den Grundschulen. „Wir brauchen für die Zukunft gut ausgebildete Leute. Mit Dummen können wir es nicht schaffen“, warnte er auch vor einer Spaltung der Gesellschaft. Auch das Sozialsystem sei durch Mini-Jobs und Niedriglohn-Empfänger, die weder in die Steuer- noch in die Rentenkasse zahlten, nicht zu halten. Aber: Man könne nicht mehr Geld in die Bildung stecken wollen und weiter investieren können, jedoch im Verwaltungsbereich alles beim Alten belassen. „In meinem Ministerium arbeiten 450 Leute. Da lacht ein Regierungspräsident, und da lacht auch eine Kreisverwaltung.“ 2008 sei es der Landesregierung gelungen, erstmals weniger auszugeben als eingenommen zu haben, weil man etwas Glück gehabt und weil man gespart habe. Allein in Laumanns Ressort rund 20 Prozent. „Ein Zeichen dafür, wie viel Quatsch die anderen finanziert haben.“Vor dem Hintergrund der Investitionsanstrengungen im Bildungsbereich und der notwendigen Haushaltskonsolidierung sei eine Steuerreform wie von der FDP gefordert „nicht vorstellbar“, so Laumann, der sich dabei einen Seitenhieb in Richtung der Liberalen nicht verkneifen konnte: „Die FDP glaubte vor der Wahl, sie könnte übers Wasser laufen. Jetzt ist sie eingebrochen und das Wasser steht ihr bis zum Hals.“

Menschen werden nie eine fehlerfreie Politik machen können, aber „der Regierungswechsel hat NRW gut getan“, bilanzierte der Minister die fünf schwarz-gelben Jahre und warnte vor einem rot-rot-grünen Umschwung. Zumal sich die SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft auch in den TV-Duellen „wie eine Schlange gewunden hat“ und nicht gesagt habe, dass es keine Koalition mit den Linken geben werde. „Weil ich die SPD achte, müssen wir sie davor beschützen, dass sie mit den Linken zusammengeht“, betonte er unter dem Gelächter der amüsierten Zuhörer. Denen gab er in ihrer Funktion als „Leuchttürme“ vor der Landtagswahl mit auf den Weg, für die CDU zu werben. „Erklären Sie Ihren Küchentisch nicht zur politikfreien Zone. Und wenn der Nachbar an den Zaun kommt, flüchten Sie nicht, sondern reden Sie mit ihm, warum Sie CDU wählen.“

» Weiterer Bericht zur CDU-Versammlung folgt.


VON KLAUS MEYER, WARENDORF