Suche
Suche Menü

Dorf-Supermarkt für Hemmerde startet heute

Quelle: Hellweger-Anzeiger.de

„Carekauf“ ist kein normaler Supermarkt. „Carekauf“ ist ein normaler Supermarkt. Beides trifft auf das einzige Lebensmittelgeschäft von Hemmerde zu.
IMG_1522
Kassiererin Ümran Kanar mit Michael Schneider (LWL-Integrationsamt) und Franz-Josef Chrosnik (Caritas-Kreisverband Unna).

Wenn der Supermarkt heute erstmals seine Türen öffnet, schließt er gleichzeitig eine lange beklagte Nahversorgungslücke in dem Dorf. Wer den Flachbau am Lübbertshof durch die Schiebetür betritt, fühlt sich gleich wie in einem vertrauten Umfeld. Wie in einem x-beliebigen Rewe-, Edeka- oder Spar-Markt liegt die Obst- und Gemüsetheke am Anfang und die Kinder-Quengelgasse mit den Süßigkeiten am Ende kurz vor der Kasse.

Abgesehen von der Größe – Carekauf kommt mit einem Drittel der Fläche eines typischen Rewe-Markts aus – gibt es einen wichtigen Unterschied, der den Kunden wahrscheinlich gar nicht auffällt. „Carekauf“ ist ein sogenannter Integrationsbetrieb im Eigentum einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft des Caritas-Kreisverbands Unna. Von den elf angestellten Frauen und Männern sind sieben behindert.

Martin Börsteken, 56, sorgt dafür, dass die von Rewe Dortmund gelieferte Ware in die Regale gelangt. Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann räumt flink die Auslagen ein, als ob sein fehlender linker Unterarm kein Handicap wäre. „Ich habe 23 Jahre lang bei Hagebau gearbeitet und hatte einen schweren Arbeitsunfall “, erzählt der Hemmerder. Nach langer Arbeitslosigkeit hat er bei Carekauf eine Anstellung gefunden.

Marianne Lettau, 49, gab ihren Teilzeitjob als Verkäuferin in Unna für eine Vollzeitstelle bei Carekauf in Hemmerde auf. „Ich wohne in Siddinghausen, habe es jetzt näher zur Arbeit“, sagt die gelernte Kauffrau.

An der Kasse zieht Kanar Umran, 37, heute für Kunden die ersten Artikel über den Scanner. Der Arbeitsplatz der Rollstuhlfahrerin wurde eigens auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten.

„Wir sind schon ein eingespieltes Team“, sagt Filialleiter Burghard Meister, 50. Der Kamener, der aus Unna stammt, arbeitete jahrelang im Einzelhandel und hat die Führung über das elfköpfige Team aus sechs Frauen und fünf Männern (acht Vollzeitstellen) übernommen. „Die Stimmung bei uns ist gut. Jetzt hoffen wir, dass die Hemmerder den neuen Markt auch annehmen.“

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besichtigte die Geschäftsräume gestern und beglückwünschte die Caritas für ihr Engagement. „Die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap ist eine hervorragende Sache“, sagte der CDU-Politiker. Die Einrichtung des Integrationsbetriebs wird vom Land, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der Aktion Mensch, der Stiftung Wohlfahrtspflege finanziell gefördert.

Die Förderung ist für Franz-Josef Chrosnik, den Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands, zugleich Verpflichtung, denn sie ist an die Bedingung geknüpft, dass der Carekauf-Markt die nächsten zehn Jahre Bestand hat. „Der Carekauf-Markt muss sich wie jedes andere Unternehmen auch am Markt behaupten“, sagt Michael Schneider vom LWL-Integrationsamt.