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McAllister geizt nicht mit Lob und Witz

Quelle: Westfälische Tagespost / NOZ / WN

McAllister geizt nicht mit Lob und Witz

Krautkönig Karl-Josef Laumann trug sich bei Ute Saeger ins Goldene Buch ein; seine Vorgänger Markus Pieper und David McAllister schauten zu.Foto:

Krautkönig Karl-Josef Laumann trug sich bei Ute Saeger ins Goldene Buch ein; seine Vorgänger Markus Pieper und David McAllister schauten zu.Foto:
(Thomas Niemeyer)



Lotte – Da kam vieles zusammen, was sonst Grenzen trennt: Deutsch und Schottisch, Westfale und Niedersachse, CDU und Bürgerverein, große Politik und gute Unterhaltung. Der Landtagswahlkampf hatte am Donnerstagabend sein Zentrum am äußersten Rande von NRW: in Wersen.

Dabei war den Ratsstuben die politische Prominenz, allen voran Niedersachsens CDU-Chef David McAllister und Landessozialminister Karl-Josef Laumann, längst vertraut. Lottes CDU-Vorsitzende präsentierte als Gastgeberin gleich drei Wersener Krautkönige; denn der Europaabgeordnete Markus Pieper hatte hier ein Heimspiel.

Da die Wahl am 9. Mai ohne Zweifel bundespolitische Bedeutung hat, erhalten die Parteien in NRW derzeit viel Besuch. Als Krautkönig 2005 wählte McAllister sein Ziel selbst, zumal er den hiesigen Abgeordneten Wilfried Grunendahl ebenfalls vom Herrenabend kennt. Ein Viertel der gut 80 Zuhörer stellte der Bürgerverein. Den Vorsitzenden Wilfried Freier und „Mitschotten“ John McGurk begrüßte er besonders herzlich.

Selbstverständlich betonten alle Redner, dass NRW die Wahl habe zwischen der stabilen, soliden Politik der schwarz-gelben Regierung und rot-rot-grünem Chaos. Doch lehnte es McAllister ab, den Westfalen ihr Land zu erklären, und sprach über Niedersachsen und den Bund. Nachdem mit Ursula von der Leyen und seinem Freund Philipp Rösler zwei Stars aus dem Kabinett in Hannover nach Berlin geholt worden seien, habe man jetzt selbst am internationalen Transfermarkt Aygül Ötzkan als Sozialministerin verpflichtet.

David McAllister arbeitete in Kurzform die gesamte Aufgabenpalette der Bundesregierung ab: Afghanistan und die Überwindung der Weltfinanzkrise, Konjunkturimpulse und Haushaltskonsolidierung, Gesundheitssystem und Steuerreform, Hartz IV und Kommunalfinanzen, Klimaschutz und Breitbandversorgung. Er bescheinigte der Koalition gute Fortschritte sah aber noch „erhebliches Optimierungspotenzial bei der internen und externen Kommunikation“.

Launig schilderte der 39-Jährige eigene Versuchungen, sich auf Kosten von politischen Freunden und Partnern zu profilieren, wenn ein Journalist samstags anruft. Sein Appell: „Haltet endlich mal die Klappe und geht an die Arbeit.“ Den Nordrhein-Westfalen wünsche er, dass „der Kelch der Linken“ an ihnen vorbeigehe. Seine Erfahrungen mit ihnen im Landtag führten ihn zu dem Schluss: „Kommunisten gehören in die Geschichtsbücher, nicht in die Parlamente.“

Markus Pieper nutzte sein Grußwort zur Abrechnung mit rotgrüner Energiepolitik ohne Kohle und Atom: „Das wäre das Aus für viele kleine und mittlere Betriebe.“ Humorvoll äußerte er Verständnis dafür, dass Ute Saeger am Girls Day Spaß mit den drei Königen haben wollte. Nun solle man am Muttertag, zugleich Wahltag in NRW, auch „Mutti Merkel“ einen Gefallen tun und CDU wählen.

Viel Anerkennung erfuhr Karl-Josef Laumann, der an selber Stelle bei seiner Königsrede sechs Wochen zuvor noch viele enttäuscht hatte, mit einer ausgesprochen nachdenklichen Rede zum Abschluss. Nach seiner Leistungsbilanz – 8000 Lehrer mehr eingestellt, aber Köpfe in der Verwaltung reduziert, Zahl der U3-Kindergartenplätze verachtfacht, Bundesstraßenbau in NRW nach zehn Jahren Stillstand in Schwung gebracht – wurde er grundsätzlich.

Er sei dankbar, in die Bundesrepublik, „den besten Staat, den es auf deutschem Boden je gab“, geboren worden zu sein. Sein Vater musste Krieg und Gefangenschaft erleben, sein Großvater zwei Kriege und zwei Inflationen. Bei allen Problemen dürfe man nicht verkennen, dass es den Deutschen heute im internationalen und im historischen Vergleich sehr gut gehe. Daran habe die CDU großen Anteil. Doch bescheinigte Laumann das grundsätzlich auch den Sozialdemokraten. Da klatschte auch ein Lotter SPD-Mitglied.

VON THOMAS NIEMEYER