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Gesundheitsminister Laumann setzt auf „Dezentralisierung“

Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung, Stephan Beermann
 
ST.-ANTONIUS-KRANKENHAUS IN HÖRSTEL

Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (2.v.l.), besuchte nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Hermann Prein (l.) und Jan-Hendrick Heudtlass, Therapeutischer Leiter (2.v.r.), und mit einer Patientengruppe auch die Werkstatt des Fachkrankenhauses.

Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (2.v.l.), besuchte nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Hermann Prein (l.) und Jan-Hendrick Heudtlass, Therapeutischer Leiter (2.v.r.), und mit einer Patientengruppe auch die Werkstatt des Fachkrankenhauses.
(Foto: Stephan Beermann)



Hörstel. Bevor er zu einer wichtigen Fachtagung nach Rheine weiterfuhr, besuchte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann das St.-Antonius-Krankenhaus in Hörstel. Konkreter Anlass waren Pläne, das Fachkrankenhaus für qualifizierte Entzugsbehandlungen für alkohol-, medikamenten- und drogenabhängige Frauen und Männer in den kommenden Jahren erheblich zu erweitern: Geplant ist ein Wohnbereich mit 24 Plätzen für Menschen mit psychischer Behinderung. Damit würde dem Haus ein neuer Aufgabenbereich angegliedert werden, der die bisherige Arbeit des Hauses jedoch hervorragend ergänzt.

Vielleicht wichtigste Aussage des Tages war für Geschäftsführer Hermann Prein und für Jan-Hendrick Heudtlass, Therapeutischer Leiter, die Zusicherung Laumanns, die geplante Erweiterung politisch unterstützen zu wollen. „Ich begrüße das Konzept der Dezentralisierung“, so der Gesundheitsminister im Anschluss an die Gespräche mit Mitarbeitern und Patienten der Fachklinik. Geplant sei, 24 bestehende Plätze in Hiltrup abzubauen und nach Hörstel zu verlegen. In beiden Fällen sind die Alexianer Träger der Maßnahmen. „Wenn wir hier in Hörstel bauen, hat das Ganze keinen Anstaltscharakter“, sagte Laumann. Er wolle alles daran setzen, eine „Verheimung“ psychisch kranker Menschen zu vermeiden. Weiter sagte Laumann: „Für Hörstel und für die Stadt wäre die Wohnanlage für 24 Menschen eine Bereicherung.“ Mit den Alexianern habe man einen großen Sozialkonzern als Partner mit im Boot.

Die 24 zusätzlichen Plätze bezeichnete Laumann als bedarfsgerecht. Diese Einschätzung teilt auch Jan-Hendrick Heudtlass: Für Menschen mit psychischer Behinderung gebe es im Kreis Steinfurt 160 Plätze – der tatsächliche Bedarf liege aber bei 250 Plätzen. „Wir müssen zusätzliche Plätze in der Region anbieten“, so Heudtlass. Für die Betroffenen solle eine Wohnform geschaffen werden, die es ihnen erlaube, schrittweise ins Alltagsleben zurückzukehren. Dabei wolle man versuchen, Familien und Betriebe der Umgebung einzubeziehen. Es handle sich um eine Form des Betreuten Wohnens, die allerdings nicht auf Dauer angelegt ist, sondern für den einzelnen Bewohner einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren umfasst.

„Jetzt ist der Kreis dran, den Bedarf zu bestätigen“, so der Therapeutische Leiter der Fachklinik in Hörstel. Anschließend sei es am Landschaftsverband, das Projekt voranzubringen. „Wenn wir es in zwei Jahren hinkriegen, sind wir zufrieden“, so Heudtlass. Im Kreis Steinfurt gibt es weitere Interessenten, die entsprechende Plätze anbieten möchte; so in Ochtrup, Rheine oder Steinfurt.

Natürlich nahm der Gesundheitsminister gestern auch die Gelegenheit wahr, mit Patienten der Fachklinik zu sprechen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Gruppe, die nach knapp sechs Wochen Entzugsbehandlung kurz vor der Entlassung stehen, berichteten dem Landesminister von ihren Erfahrungen. „Jeder Einzelne durfte berichten und alle haben sich positiv geäußert“, sagte Geschäftsführer Hermann Prein anschließend mit ein wenig Stolz. Es komme darauf an, dass auch die Krankenkassen diesen erfolgreichen Weg weiter mitgehen, sagte Laumann. Wenn einer von drei Patienten nach der Therapie dauerhaft nicht rückfällig werde, dann sei dies eine gute Quote.