Suche
Suche Menü

Woche der Brüderlichkeit – Mit Melancholie und Witz

Quelle: Münstersche Zeitung
OCHTRUP Die Woche der Brüderlichkeit gehört zum festen Programm im Kulturkalender Ochtrups. Zum 23. Mal wurde die Veranstaltungsreihe der Volkshochschule in der Alten Kirche in Welbergen eröffnet.
100309ot-woche-brüderlichkeit
Die Musik von Esther Lorenz (Gesang) und Peter Kuhz (Gitarre) sorgte für die Entspannung zwischen den Rednern auf der Eröffnungsveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit 2010.

Foto: Elvira Meisel-Kemper

„Haben wir unsere traditionellen Maßstäbe verloren, müssen wir neue suchen“, regte Bürgermeister Kai Hutzenlaub zur Begrüßung und Einstimmung in der vollbesetzten Kirche an. Dazu gehöre auch, nicht nur das Verhältnis zwischen Christen und Juden immer wieder neu zu überdenken, sondern auch das Verhältnis zu den muslimischen Mitbürgern.

Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, griff in seinem Festvortrag „Verlorene Maßstäbe“ das Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit auf. Er erinnerte daran, dass es die Woche der Brüderlichkeit seit 1953 gebe. Dazu habe auch Konrad Adenauer den Weg geebnet. 1946 habe Adenauer bereits die „Götzenerhebung“ gegeißelt und damit den „Verlust christlicher Ethik“. Auch sei es Adenauer gewesen, der am 14. März 1960 als erster deutscher Politiker nach 1945 den israelischen Premierminister David Ben Gurion empfangen hat. „Ich wäre 1960 gern dabei gewesen“, schwärmte Laumann von diesem historischen Moment.

Christliche Ethik wurde gegen ein totalitäres Regime ausgetauscht

„Die Nationalsozialisten waren keine Naturkatastrophe in Deutschland. Christliche Ethik wurde gegen ein totalitäres Regime ausgetauscht“, so Laumann. Es waren deutliche Worte altbekannter Tatsachen, die nicht oft genug wiederholt werden können. Er forderte das Publikum auf zu Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Respekt vor dem Anderen: „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“
Bundes- und münsterlandweit bilanzierte Laumann, „dass trotz aller Verfolgungen die jüdische Kultur überlebt hat“.

100309ot-woche-brüderlichkeit
Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, griff in seinem Festvortrag „Verlorene Maßstäbe“ das Motto der Woche der Brüderlichkeit 2010 auf.

Foto: Elvira Meisel-Kemper

7.700 Mitglieder der jüdischen Gemeinde leben wieder in Westfalen-Lippe. Kardinal Clemens August Graf von Galen und Papst Paul Johannes II. stellte er in ihrem Einsatz für Juden als Beispiel für christliches Handeln voran. „Für mich ist entscheidend, dass der Mensch im Mittelpunkt der Politik steht“, sagte Laumann zu einer christlich geprägten Politik der Verständigung.

Lieder aus Israel

Die Musik von Esther Lorenz (Gesang) und Peter Kuhz (Gitarre) sorgte für die Entspannung zwischen den Rednern. Mit ihren Liedern der sephardischen Juden Spaniens und Liedern aus Israel erweckten sie die jüdische Kultur zu neuem Leben.

Die besungene Sehnsucht nach dem gelobten Land führte zu melancholischen Klängen, während weltliche Themen – wie die Liebe – auch den jüdischen Witz in sprühender Lebendigkeit zu Gehör brachten. Beifall belohnte die Musiker, Redner und Veranstalter. VHS-Leiter Guido Dahl blieb da nur noch ein „Dankeschön“.