Suche
Suche Menü

Ärzte-Notstand in Rhede

Quelle: Borkener Zeitung

Nicht nur im Rathaus macht man sich Gedanken um die Versorgung der Rheder mit Hausärzten.

Nicht nur im Rathaus macht man sich Gedanken um die Versorgung der Rheder mit Hausärzten.
(Foto: Colourbox)



Rhede – In Rhede fehlen Hausärzte. „Wir sind definitiv im Notstand“, sagt Dagmar Beckmann von der Stadtverwaltung und verweist darauf, dass die Versorgung der Rheder mit Hausärzten bei knapp 60 Prozent liege. Der „Notstand“ beginne bei weniger als 75 Prozent. Das Problem ist im Rathaus angekommen. Eine Lösung allerdings nicht in Sicht.

„Wir sind alle gemeinsam ratlos“, sagt Beckmann, die im Rathaus für die Innenstadtförderung zuständig ist. Daran habe sich auch nach einer Veranstaltungen mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in der vergangenen Woche nichts geändert. Bei dem Treffen in Billerbeck stellte Laumann das Hausarztprogramm des Landes vor, in dem Rhede auf Platz 18 der förderungsfähigen Städte steht. Im Kreis Borken sieht es nur in Heiden (Platz 5) noch schlechter aus mit der hausärztlichen Versorgung.

Und es wird nicht besser fürchtet Dr. Wilhelm Höing, der für die Rheder Kollegen den Notdienstplan aufstellt. Derzeit gebe es in Rhede sieben Hausärzte, vor ein paar Jahren waren es noch neun. Erst hörte Dr. Ute Stute auf, ohne dass ein Nachfolger kam. Im vergangenen Jahr ging Dr. Herbert Veith in den Ruhestand. Seitdem führt Veiths ehemaliger Kompagnon Dr. Hubert Welzel die bisherige Gemeinschaftspraxis allein weiter.

Sieben Ärzte in einer Stadt mit knapp 20000 Einwohnern, das sei schon wenig, sagt Höing. Sorgen macht sich der Sprecher der Ärzte mit Blick auf das Alter der Kollegen. Drei von ihnen, er selbst eingeschlossen, sind älter als 60 Jahre und werden in den nächsten Jahren aufhören. „Wenn dann keine Nachfolger gefunden werden…“ – die Folgen mag sich Höing gar nicht vorstellen. Er verweist darauf, dass ein Arzt nur eine bestimmte Zahl von Patienten versorgen dürfe. Behandele er mehr, bekomme er „für jeden Patienten nur noch zehn Prozent“. Die Kollegen in Rhede hätten alle genug zu tun, sagt Höing. „Wir wären froh und glücklich, wenn ein neuer käme.“ Doch eine Kleinstadt wie Rhede ist für junge Mediziner offenbar nicht sonderlich attraktiv. „Es ist insgesamt schwer einen Nachfolger zu finden“, sagt Dr. Herbert Veith.

Auf der Suche nach einem Nachfolger hatte er immerhin einen Interessenten. Es sei schon „eine Riesenentscheidung“ für junge Kollegen, sich für die Selbstständigkeit zu entscheiden, sagt Veith.

Diese Entscheidung will das Land den Ärzten mit dem Hausarztprogramm leichter machen. Hausärzte, die sich in ländlichen Gebieten niederlassen wollen, können bis zu 50000 Euro Förderung vom Land bekommen. 1,5 Millionen Euro stehen dafür in diesem Jahr zur Verfügung, sagte Minister Laumann vergangene Woche. Das Förderprogramm zeige erste Wirkung, „wir konnten bereits Ärzte finanziell unterstützen“, so Laumann weiter.

Hier habe sie nachgefragt, berichtete Beckmann nach der Veranstaltung. Und die Antwort bekommen, dass bislang 43 Anträge gestellt worden seien, 11 seien in Bearbeitung und 3 positiv beschieden. Die Frage, woher die Ärzte kommen sollen, sei nicht beantwortet worden. Beckmann spricht von einem „sehr komplexen Thema“.

Die Stadt sehe das Problem des Ärztemangels und suche nach Lösungen. Die könnte so aussehen, dass die Stadt für passende Rahmenbedingungen sorge, so dass sich ein neuer Arzt „komfortabel“ niederlassen könne. Beckmann befürchtet: „Wir werden tingeln und Klinken putzen müssen“.