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Minister Laumann eröffnet Woche der Brüderlichkeit: „Ein Ereignis besonderer Art“

Quelle: Tageblatt für den Kreis Steinfurt, Ochtrup, Irmgard Tappe

Mit warmem Herzen ein warmer Applaus: Das Publikum beklatschte die gelungenen Darbietungen.

Mit warmem Herzen ein warmer Applaus: Das Publikum beklatschte die gelungenen Darbietungen.



Ochtrup – Die Temperaturen sind kalt an diesem Sonntagabend. Sowohl draußen als auch drinnen in der voll besetzten Alten Kirche von St. Dionysius. Doch die einfühlsame Stimme der Sängerin Esther Lorenz sowie Peter Kuhz mit seinen zarten Gitarrenklängen wärmen die Herzen des Publikums. Mit einem Lied in hebräischer Sprache, das die Sehnsucht eines Menschen nach Israel beschreibt, stimmt das Duo auf die Auftaktveranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit ein.

Bürgermeister Kai Hutzenlaub bezeichnet diese Woche als „Ereignis besonderer Art mit dem Ziel, den christlich-jüdischen Dialog zu verbessern“. Er heißt die vielen Besucher willkommen „in dieser Alten Kirche, wo schon vor über 850 Jahren gebetet, gehofft und auf Gott vertraut wurde“. Dann geht er kurz auf das diesjährige Motto „Verlorene Maßstäbe“ ein und wirft Fragen in den Raum: „Haben unsere traditionellen Maßstäbe versagt? Werden Maßstäbe richtig gesetzt?“ Der Bürgermeister appelliert an jeden Einzelnen, darüber nachzudenken, wo sein persönlicher Maßstab liegt.

Karl-Josef Laumann, nordrhein-westfälischer Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, erinnert in seinem Vortrag an das totalitäre Weltbild des Nationalsozialismus. „Das Volk hat den Staat zum Götzen gemacht und auf den Altar erhoben. Die Einzelperson, ihre Würde und ihren Wert hat es diesem Götzen geopfert“, zitiert Laumann einen Ausspruch Konrad Adenauers.

Wer allerdings alle Deutschen in einen Topf werfe, so Laumann, übersehe jene Mutigen, die Widerstand leisteten. Als Beispiel aus dem Münsterland nennt er den inzwischen selig gesprochenen Kardinal Graf von Galen.

Laumann erinnert auch an die jüdischen Familien aus Ochtrup, die Opfer des Naziwahns wurden. Er zitiert Papst Johannes Paul II., der die Juden als „unsere älteren Brüder“ bezeichnete, und erinnert an die Wiedervereinigung Deutschlands: „Wir haben es geschafft, dass das Grundgesetz auch in Ostdeutschland gilt. Denn die Gewaltenteilung verhindert einen unkontrollierten Machtzuwachs.“

Der Mensch müsse im Mittelpunkt aller Politik stehen, fordert Laumann und betont, dass die Gesellschaft ohne ein christliches Menschenbild nicht bestehen könne. „Der Staat ist gefordert, sich mit der christlichen Soziallehre auseinanderzusetzen, um das Gemeinwohl zu wahren. Nur so kann sich eine aus der Solidarität hergeleitete Nächstenliebe entfalten.“

Nun nehmen Esther Lorenz und Peter Kuhz das Publikum mit auf eine musikalische Rundreise durch das jüdische Spanien. „Sie haben mit Ihrer Musik die Faszination für das Vertraute einer geheimnisvollen Kultur geweckt“, bringt es Volkshochschuldirektor Guido Dahl in seinem Schlusswort treffend auf den Punkt.