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Ein Köder für den Landarzt

Quelle: Westfälische Nachrichten, Julia Gottschick

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann stellt Billerbecker Medizinern seine Pläne für junge Landärzte vor. Foto:

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann stellt Billerbecker Medizinern seine Pläne für junge Landärzte vor. Foto:
(J. Peperhowe)



Billerbeck – Die Stadt Billerbeck hat ein Problem. Die Lebens- und Wohnqualität sind es nicht, „im Gegenteil“, wie Bürgermeisterin Marion Dirks gestern betonte. Allein, auf 12 000 Einwohner kommen zu wenig Hausärzte. „Solange hier keine Praxis schließt, darf keine neue eröffnen“.

Diese Tatsache war es denn auch, die der Stadt gestern Besuch aus Düsseldorf bescherte. Das „Aktionsprogramm zur Stärkung der hausärztlichen Medizin und Versorgung“ im Gepäck, traf sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit einheimischen Ärzten zum Dialog: Auftakt einer ganzen Reihe ähnlicher Veranstaltungen in den kommenden Wochen.

Dem Hausärzte-Mangel entgegenzuwirken, hat das Land NRW 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Ziel: Junge Mediziner – wenn möglich bereits während der Ausbildung – aufs Land zu locken. Dieser Schritt ist dringend nötig, wie Laumann am Mittwoch betonte. Sei doch ein Drittel der Hausärzte hierzulande im Durchschnitt über 55 Jahre alt. „Ein gutes Alter“, so der Minister. In zehn Jahren jedoch, wenn diese in den Ruhestand gingen, seien ganze Landstriche medizinisch verwaist.

Eine Prämie von 50 000 Euro können daher seit einem Vierteljahr jene jungen Ärzte beantragen, die bereit sind, sich auf dem Lande niederzulassen. 10 000 Euro gibt es dafür, wenn sie aus einer Neben- eine Hauptpraxis machen. An fünf Orten im Regierungsbezirk Münster ist das bereits geschehen. Doch damit nicht genug. Möchte Laumann doch mehr Ausbildungsplätze für Mediziner schaffen. Entweder, indem die Studienplätze an den bestehenden Universitäten erhöht wird. Oder aber, indem eine neue Fakultät eröffnet – in Bielefeld etwa „Ich sage es ganz offen, mein Wunsch ist es, etwas für Ostwestfalen-Lippe zu tun“, so Laumann. Denn dort, wo junge Ärzte ausgebildet würden, ließen sie sich auch häufig nieder. Ferner möchte der Minister neue Hausarzt-Modelle etablieren, dergestalt, dass auch junge Landärztinnen Beruf und Mutterschaft unter einen Hut bekommen. „Die Medizin ist immer mehr eine weibliche.“ Von den 2000 Studienanfängern jedes Semester seien im Durchschnitt zwei Drittel Frauen. Auch der Numerus clausus als Zugang zum Studium ist dem Minister ein Dorn im Auge – „macht die Abitur-Note einen guten Arzt aus? Ich glaube nicht.“ Sich mit Banken und Sparkassen zusammenzusetzen und attraktive Angebote für Jungmediziner zu schneidern, das ist etwas, was Laumann außerdem anvisiert. Aufschläge auf Honorare für Landärzte etwa seien denkbar. Bisher werde die Abdeckung mit Hausärzten pro Landkreis ermittelt. Künftig will der Minister „die Gebiete, in denen gemessen wird, ob es genug Hausärzte gibt, kleiner machen“. Könne es doch im Moment durchaus noch vorkommen, dass ein Kreis wie Coesfeld in der Statistik überversorgt ist – eine Gemeinde wie Rosendahl allerdings keinen Nachfolger für ihren Mediziner im Ruhestand findet. „Da müssen wir die Bezirke zur Planung verkleinern.“ Sein Aktionsprogramm, der Minister sieht es durchaus realistisch. Es werde kein Programm der großen Zahlen werden, denn selbst mit Geld bekomme man junge Leute nicht von den Ballungszentren weg. „Doch wenn wir es gar nicht erst probieren, haben wir in zehn Jahren ein echtes Problem.